Die Halle-Störung

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Verlauf der Halle-StörungGanz Halle ist gestört


Sogar ziemlich heftig. Das ist auch gut so, denn ohne diese Störung würde es die Stadt vielleicht garnicht geben. Oder zumindest hieße sie nicht Halle. Und aussehen würde sie auch ganz anders. So wie Leipzig etwa oder Berlin oder eine ähnlich platte Stadt. Doch Halle hat seine ganz spezielle Störung. Und die verhalf dem Fleckchen Erde zu einer reizvollen Landschaft und den Halloren zu Salz und Reichtum. Was für ein Glück. Zugegeben, die Sache liegt schon ein Weilchen zurück. Angefangen hat die ganze Geschichte im Zechstein-Zeitalter. Für alle, die das Jahr nicht gleich parat haben: Das liegt so 251 bis 258 Millionen Jahre zurück. Just im Raum Halle verdunsteten eben die Reste des Weltozeans, und Salz lagerte sich ab. Und darüber lagerte fortan noch hunderte Meter wer weiß was alles. Am Ende der Kreidezeit muss es gewesen sein - so vor schlappen 65 Millionen Jahren - da soll sich hier in der Gegend eine ziemlich ausladende Erdscholle hunderte Meter über eine andere erhoben haben. Zwischen beiden hat es ordentlich gerumst. Und das nicht nur einmal. Gut 30 Millionen Jahre soll die Erde gebebt haben. Eine Situation war das wie die heute am St.-Andreas-Graben bei Los Angeles. Die so genannte Halle-Verwerfung - von den Geologen auch Halle-Störung genannt - entstand in der Folge der Platten-Verschiebung. Und die zieht sich jetzt quer durch die Stadt. Von Halle-Hauptbahnhof durch die Altstadt, direkt über den Marktplatz, dann vorbei an der Neustadt, an Heide-Süd, durch die Heide und Dölau bis Neuragoczy. Beben kann heute nichts mehr. Das hat sich erledigt. Das muss ja auch nicht sein. Ein bisschen kann sich Halle ruhig von Los Angeles unterscheiden.

Und schließlich hat die Halle-Störung ja auch schon genug angerichtet. Die Risse in der Markt-Kirche haben vermutlich Generationen von Pfarrern zu grauen Haaren verholfen. Und warum? Weil die Hausmannstürme auf der festen oberen Platte stehen und die Blauen Türme auf dem labilen Untergrund der anderen Platte. Der Moritz-Kirchturm ist im 17. Jahrhundert glattweg eingestürzt, weil der Untergrund nachgab. Allerdings kein Grund zu Selbst-Mitleid. Schließlich hat die Halle-Störung ungleich mehr Positives für die Stadt bewirkt. Denn Dank der Störung fanden die Solequellen in Marktnähe einen Weg nach oben. Nun musste nur noch der Schweinehirt kommen, den wir aus der Sage kennen. Seine Tiere wälzten sich in einer Pfütze. Als sie wieder trocken waren, überzog eine Kruste ihre Haut. Der Hirt kostete von dem silbern glänzenden Belag auf der Schwarte des Borstenviehs und staunte über den salzigen Geschmack. Das war vor 5000 Jahren. Der Rest der Stadtgeschichte ist bekannt. Und weil die Halloren fortan nicht unwesentlich zum Ansehen Halles beitrugen, haben sie auch ein gutes Stück der Störung auf der Saline-Halbinsel abbekommen. Gleich hinter dem Saline-Museum zieht sie sich entlang - von neuen Ablagerungen der Saale stark überdeckt und deshalb nicht mehr sichtbar - verfehlt nur knapp das Becken des Saline-Freibades und verabschiedet sich dann in Richtung Gimritzer Damm. Sei's drum. Die Brüderschaft derer im Thale weiß jedenfalls, was für ein Geschenk der Platten-Bruch ist. Ohne Halle-Störung gebe es schließlich keinen einzigen Halloren. So kann man also nur froh sein, dass damals niemand die Halle-Störung gestört hat.

Geologisches Blockbild

  Die Farben stehen für die Entstehungs-Zeiten (siehe folgende Tabelle).




Erdgeschichtliche Entwicklung im Raum Halle



Periode
vor ? Mio Jahren
Prägende Faktoren
Was ist passiert?
QUARTÄR
(0 - 1,75)
Eiszeit Zwei Eis-Vorstöße erreichen Mittel-Deutschland. Der Raum Halle wird von 200 bzw. 500 m mächtigem Eis bedeckt. Beim Abtauen werden Schmelzwasser-Sande abgelagert.
TERTIÄR
(1,75 - 65)
Feucht-
warmes Klima, Moor-Bildung
Im feucht-warmen Klima gedeiht eine üppige Vegetation. Aus den Niederungs-Mooren der Tertiär-Zeit entwickeln sich Braunkohlen-Lagerstätten.
KREIDE
(65 - 135)
Tektonische Bewegungen An der Halle-Störung bildet sich eine Hoch-Scholle (Rotliegend-Gesteine) und eine Tief-Scholle (Gesteine des Zechsteins) aus.
JURA
(135 - 200)
Abtragung Die beginnenden tektonischen Bewegungen im Jura bewirken eine Anhebung der Land-Oberfläche, was zu groß-flächigen Abtragungen führt. Gesteine der Keuper-, Jura- und Kreide-Zeit sind somit im Raum Halle nicht mehr verbreitet. Geologisch wird dies als Schicht-Lücke bezeichnet.
KEUPER
(200 - 235)
Abtragung
MUSCHEL-
KALK
(235 - 243)
Meeres-
Überflutung
Vom äquatorialen Weltmeer aus erfolgt die Überflutung des mittel-deutschen Raumes. Im warmen Flach-Wasser werden kalkig-tonige Sedimente abgelagert.
BUNTSAND-
STEIN
(243 - 251)
Trocken-
warmes Klima
Nach dem Meeres-Rückzug bildet sich eine Wüsten ähnliche Landschaft mit spärlicher Vegetation. Aus mächtigen Sand-Ablagerungen entstehen später Sandsteine.
ZECHSTEIN
(251 - 258)
Meeres-
Überflutung
Durch periodische Abtrennung des Zechstein-Meeres vom Welt-Ozean und durch Verdunstungen entstehen gewaltige Salz-Ablagerungen, Anhydrit und karbonatische Gesteine.
ROTLIEGENDES
(258 - 296)
Vulkanismus Aus dem glut-flüssigen Erd-Mantel dringen über Spalten porphyrische magmatische Schmelzen nach oben. Ein Vulkan-Zentrum befindet sich am Reilsberg.
KARBON
(296 - 355)
Feucht-
warmes Klima, Moor-Bildung
Karbonische Schiefer-Tone sind die ältesten Gesteine an der Erd-Oberfläche in Halle. Auch die Steinkohle vom Humboldt-Schacht in Dölau ist karbonischen Ursprungs.

 

 

Info Name der Seite: HalleSaale.info / VorHalle / Halle-Störung




©

Text: nach einer MZ-Reportage von Sylvia Pommert.

Geologisches Blockbild: nach Herold 2001 (nach Wagenbreth / Steiner 1985).

Tabelle: nach einem Faltblatt des Umweltamtes der Stadt Halle.