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Flug über Halle

Warum sieht Halle heute so aus?
Begleiten Sie uns auf einem Rundflug über Halles Zentrum.

Dom von oben

Festhalten bitte! Es geht ins Jahr 1100 zurück:


(c)G. Kröber   Halle bis 1120
Schwerpunkte der baulichen Entwicklung

Legende:
Gebiet der Salzproduktion - blau gestrichelt
Zentrum des Fernhandels Alter Markt - rot
ottonische Mauerbefestigung - schwarze Mauer
feudale Eigenbefestigung - violett
Kirchen - gelb:
(1 St.Michael, 2 St.Gertrud, 3 St.Moritz)
Stadtvogt (vermutet) - schwarzes Viereck
fränkische Burgwannensiedlung - grün gestreift
fränkisches Kastell (806 zum Schutz der Siedlung Halle errichtet), (vermutet) - braun
Furt (Saale-Durchfahrt) - F1 + 2

 

Die Siedlungsentwicklung bis 1120

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in dieser Zeit sind gekennzeichnet durch die Konstituierung der feudalen Gewalten. Wichtiger Abschnitt und Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung im Saale-Elbe-Gebiet waren die Gründung des Fränkischen Kastells im Jahre 806 und des Erzbistums Magdeburg im Jahre 968, mit dem die Stadt Halle jahrhundertelang verbunden blieb. Sichtbarer Ausdruck dafür war der Ausbau der Burg Giebichenstein zur Hauptresidenz der Erzbischöfe in ihrem Südterritorium.

Die Festigung der feudalen Verhältnisse war eine wichtige Voraussetzung für die Organisation des Fernhandels. Auf dieser Grundlage entwickelte sich in der Nähe der altbekannten Salzproduktionsstätten eine Ansiedlung von Salzproduzenten und Fernkaufleuten am heutigen Alten Markt. Sie wurde zur Keimzelle für die gesamte weitere Siedlungsentwicklung in diesem Raum. Er entstand als dreieckförmige Straßenerweiterung am T-förmigen Zusammenschluß von drei bedeutenden Fernhandelsstraßen. Um diesen Straßenraum gruppierten sich in lockerem Gefüge nach und nach die Anwesen der Salzkaufleute, befestigte Höfe und andere Gebäude. Ein bewußt gestalteter Straßen- oder Platzraum kann anfänglich nicht angenommen werden.

Die Ansiedlung der Kaufleute bildete den Schwerpunkt innerhalb einer weitläufigen, locker bebauten Stadt aus mehr oder weniger befestigten Einzelhöfen oder kleineren Siedlungen. Dazu gehörte auch eine Ansiedlung in der Umgebung des zu dieser Zeit schon eingegangenen fränkischen Kastells, dessen Standort nördlich der Salzquellen etwa im Bereich des heutigen Domplatzes zu vermuten ist. Ein großer Teil dieser verstreuten Siedlungselemente wurde um 1120 in die Stadterweiterung einbezogen und beeinflußte auch die Anlage und Führung des Straßensystems.

(c)G. Kröber Halle - Stadterweiterung um 1120 (Schwerpunkte)

Legende:
Gebiet der Salzproduktion - blau gestrichelt
daneben: Markt (Umrandung - schwarze Strichlinie) mit:
1 Schultheiß (vermutet), 2 Kaufhalle, 3 Marienkirche (1121), 4 St.Gertrud (1064)
Neubau der Stadtmauer (um 1120) - dicke schwarze Mauer
alte ottonische Stadtmauer - dünne schwarze Mauer
Neubau Hohe Brücke (1170) - 5

Feudal-klerikale Zentren
Stift Neuwerk (1116), Moritzstift (1184) - grüne Dreiecke
Hof Burggraf Wiprecht - rot
Eigenbefestigung - violett
Pfarrkirchen (gelb): 6 St.Georg, Glaucha 1121, 7 St.Ulrich, 8 St.Laurentius, Neumarkt 1134

 

Die feudale Stadterweiterung um 1120

Die Konsolidierung der Feudalordnung in größeren räumlichen Zusammenhängen brachte einen Aufschwung für den Salzfernhandel als wichtigste ökonomische Basis für die weitere Siedlungsentwicklung. Um 1120 waren die Bedingungen für eine Stadterweiterung herangereift, die allerdings noch nicht von den Bürgern, sondern vom Burggrafen als Beauftragtem des Stadtherrn organisiert und durchgeführt wurde. Mit der Gründung des Stiftes Neuwerk und weiterer kirchlicher Institutionen, die wichtige Aufgaben des gesellschaftlichen Überbaues übernahmen, verdichtete und verfestigte sich die Struktur der feudalen Ordnung.

(c)G. Kröber Halle - Ausbau der Stadt bis 1478 (Schwerpunkte)

Legende:
Gebiet der Salzproduktion mit Thalamt (1464) - blau gestrichelt
Funktionsausbau am Markt (Umrandung - schwarze Strichlinie) mit:
1 Rathaus (1316), 2+3 Kaufhaus und Markthalle, 4 Schöffenhaus, 5 Roter Turm, 6 div. Buden

Kirchliche Bauten an Stellen ehem. Eigenbefestigung (gelb):
7 Dominikanerkloster (1280), 8 Franziskanerkloster (1255), 9 Moritzkirche (1388), 10 Servitenkloster (15. Jhdt.)
Verstärkung des Mauer-Ringes (ab 1450) - doppelte schwarze Mauer
Toranlagen (orange):
11 Klaustor, 12 Moritztor, 13 Rannisches Tor, 14 Galgtor, 15 Steintor, 16 Ulrichstor

 

Der Ausbau der Stadt durch das aufkommende Bürgertum

Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich mit der Ausbreitung der Geldwirtschaft das Bürgertum zur wichtigsten ökonomischen Macht, die in Halle vor allem durch die Salzproduzenten und Fernhändler verkörpert wurde. Sie waren auch die führende Kraft im Kampf um die politischen Rechte gegenüber dem Erzbischof. Sichtbarer Erfolg dieser Auseinandersetzungen war die Einsetzung eines Rates (erstmalig 1258 erwähnt) und die Anerkennung der Ratsverfassung 1310 durch den Erzbischof.

Es organisierten sich die großen Innungen der Handwerker (um 1250) und beanspruchten ein Mitspracherecht, aber auch die ärmeren Volksschichten meldeten ihre Interessen an und fanden Mittel, sie durchzusetzen. Die Stadt konnte größere politische Selbständigkeit gewinnen, sie wurde Mitglied der Hanse (spätestens 1281) und strebte die völlige Unabhängigkeit als freie Reichsstadt an.

Aber durch die egoistische Politik der patrizischen Salzjunker schwächte sich die Stellung der Bürgerstadt als politischer Faktor im 15. Jahrhundert. Mit dem Sturz der Salzjunkeraristokratie 1478 zerfiel ihre innere Ordnung. Diesen Moment nutzte die schon zurückgedrängte Feudalmacht. Der Erzbischof bemächtigte sich der Stadt und baute hier sein befestigtes Schloß, die Moritzburg, als Regierungssitz und Residenz.

(c)G. Kröber Halle - Umgestaltung zur Residenzstadt (Schwerpunkte)

Legende:
Gebiet der Salzproduktion - blau gestrichelt
Markt, bürgerliches Stadtzentrum - rot
Schwerpunkte bürgerlicher Bautätigkeit (Umrandung - rote Strichlinie) mit:
1 Rathaus, 2 Waage, 3 Scharren, 4 Kühler Brunnen, 5 Roter Turm, 6 Marienkirche, 7 Talamt, 8 Bibliothek, 9 Gericht, 10 Ratskeller, 11 Kornhaus, 12 Stadtgottesacker
Residenzbereich, regionales Zentrum - violett
Schwerpunkte feudaler Bautätigkeit (Umrandung - violette Strichlinie) mit:
13 Moritzburg, 14 Jägerschanze, 15 Umbau Dom, 16 Neues Stift (Residenz), grün: 17 Fürstengarten, 18 Fürstengarten (Botanischer Garten)
Abbruch (rot durchkreuzt): 19 Kloster Neuwerk, 20 Ulrichskirche

 

Die Umgestaltung zur fürstlichen Residenzstadt

Sofort nach der Niederlage der Stadt 1478 bestimmt der Territorialherr, Erzbischof Ernst, Halle als seine Residenz und beginnt 1484 den Bau eines befestigten Schlosses, der Moritzburg, mit dem er die Stadt militärisch beherrscht. Die Entwicklung in der Folgezeit ist bestimmt durch die Anstrengungen der Erzbischöfe, Halle als Residenzstadt und Machtzentrum zu entwickeln und auszubauen. Am deutlichsten war das zur Zeit des Kardinals Albrecht ausgeprägt.

Demgenüber steht das Bestreben der Bürger um weitgehende politische und wirtschaftliche Handlungsfreiheit. Dazu verbündet sich die Stadt mit den Kräften der Reformation gegen den katholischen Erzbischof und Kardinal. Mit dem Sieg der Protestanten und dem Abzug des Kardinals im Jahre 1541 erhält die Stadt erneut einen Aufschwung gegenüber dem Landesherrn, ohne jedoch an seiner Vormachtstellung etwas ändern zu können.

In den ersten Jahrzehnten, nachdem Halle zur Residenzstadt geworden war, werden zwei wichtige städtebauliche Ensembles aufgebaut, die den Charakter der Stadt für die nächste Zeit entscheidend bestimmen: das sind der Residenzkomplex und der Marktplatz.

* Der Residenzkomplex

Zunächst entsteht von der Moritzburg bis zum Neuen Stift (heutige Residenz) ein großangelegtes, städtebaulich einheitlich konzipiertes Ensemble, in das im Westen und später auch im Norden mit den Fürstengärten die Gestaltung der Landschaft einbezogen wird. Während die Moritzburg noch in den spätesten Formen der Gotik errichtet wird, sind das 1520 gegründete Neue Stift und andere Gebäude bahnbrechende Beispiele der frühen Renaissance in Deutschland, die dem neuen Stil zum Durchbruch verhelfen. Es fällt heute schwer, sich anhand der baulichen Überreste eine Vorstellung von dem architektonisch imponierenden Gesamteindruck des Ensembles in seiner Glanzzeit zu machen.

* Der Markt

Das nächste bedeutende architektonische Vorhaben, das in dieser Zeit verwirklicht wird, ist die Gestaltung des Marktplatzes. Angeregt und begonnen wurde die Umgestaltung schon unter Kardinal Albrecht mit dem Bau der Marienkirche im Stil der ausgereiften obersächsischen Gotik, während zur gleichen Zeit das Neue Stift und der Kühle Brunnen bereits in den Formen der Frührenaissance errichtet wurden. Nach der Niederlage des Kardinals gegenüber den Kräften der Reformation und seinem Abzug aus Halle wurde die Umgestaltung des Marktes intensiv fortgesetzt, nun aber, die Stilformen der fürstlichen Frührenaissance gleichsam überspringend, in den voll ausgebildeten Formen der Hochrenaissance bürgerlicher Prägung (z.B. Marktschlößchen).

* Das Stadtbild

Mit Residenzkomplex und Marktplatz entstanden zwei Ensembles von außerordentlicher städtebaulicher Ausdruckskraft. Zu dieser Zeit kann Halle zu den schönsten Städten im mitteldeutschen Raum gerechnet werden. Ergänzt wird dieses Bild durch eine Reihe von Bürgerhäusern mit einer stärker gegliederten Architektur, die oft durch Erker und Portale bereichert ist. Dabei wird zunehmend der Steinbau bzw. der Putzbau verwendet.

Das Stadtbild wandelt sich erneut. Während in der Zeit der Gotik der Lehmbau durch das Fachwerk abgelöst wird und eine Fachwerkstadt entsteht, tritt jetzt, beginnend bei den öffentlichen Bauten und den reicheren Bürgerhäusern, der Charakter der Stein- und Putzarchitektur stärker hervor, eine Tendenz, die sich in Barock und Klassizismus naturgemäß fortsetzt...

 

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© Foto (Luftbild): Mitteldeutsche Zeitung, G. Bauer

Text nach Dr. phil. Dipl.-Ing. Gerhard Kröber, Das städtebauliche Leitbild zur Umgestaltung unserer Städte. Dargestellt am Beispiel der Stadt Halle, verlag bauwesen, 1980
Die Abb. waren ursprünglich vom Autor gefertigte einfarbige Federstrichzeichnungen.

Der Autor ist vielen Hallensern bekannt durch seine langjährige, sehr erfolgreiche Tätigkeit als Stadtarchitekt von Halle. Die Stadt schuldet ihm Dank für vieles, was damals geleistet wurde und für die bewußte Unterlassung so manchen Unfugs.