Moritzburg (c) Gelbe Seiten
Moritzburg


Die Moritzburg und der Dom: Zwei imposante Bollwerke gegen die Reformation zeugen von einer bewegten Geschichte


Erzbischof Ernst von Sachsen ließ die Moritzburg zu Beginn des 16. Jahrhunderts bauen - als Festung zum Schutz der Stadt und zur Niederhaltung ihrer selbstbewussten Bürger. Im Dreißigjährigen Krieg musste die Moritzburg zahlreichen Besatzungen standhalten, fiel aber schließlich einem Großbrand zum Opfer. Erst im 19. Jahrhundert begann man mit dem teilweisen Wiederaufbau der Burg. Heute beherbergt sie eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen für Moderne Kunst. Mehr als 2800 Gemälde moderner Meister machen einen Besuch zum lohnenswerten Ereignis. Vor allem expressionistische Werke, Grafiken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und moderne Plastiken wirken eindrucksvoll auf ihre Betrachter.


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Dom, (c) Gelbe Seiten
Der Dom zu Halle


Die Stadtansicht von Halle wird seit über 700 Jahren entscheidend durch den imposanten Dom bestimmt:
Schlicht, weiß und turmlos nimmt der Dom einen prominenten Platz im Stadtbild ein.
Dominikaner-Bettelmönche hatten im 13. Jahrhundert eine schlichte gotische Hallenkirche errichtet. 250 Jahre später sollte die Kirche unter Kardinal Albrecht als Trutzburg gegen Martin Luther und die Reformation im nahen Wittenberg dienen. Im Stile der Frührenaissance wurde die Kirche später umgebaut und reich ausgestattet.


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 Halle, Eselsbrunnen auf dem Alten Markt,
 © H. C. Schmiedicke, 1977
Eselsbrunnen auf dem Alten Markt


Der Alte Markt - wo alles begann


Der Alte Markt im Zentrum der Alt-Stadt ist eine platz-artige Erweiterung des uralten Handels-Weges Schmeerstraße und Rannische Straße, der in Richtung Süden den mittel-alterlichen Waren-Verkehr nach Halle brachte. Während nach Osten hin niemals eine Öffnung vorhanden war, führt ein enges Straßen-Stück in Richtung Moritzkirche. Damit wird der Anschluss an die große westliche Handels-Straße in Richtung Eisleben hergestellt.

Unser Platz ist der älteste Siedlungs-Kern des mittel-alterlichen Halle. Er verlor seine Mittelpunkt-Funktinn erst, als sich im frühen 12. Jahrhundert nach der zweiten großen Stadt-Ummauerung der neue Marktplatz heraus bildete. Am Alten Markt lagen natur-gemäß auch die älteste hallesche Pfarr-Kirche und das erste Rathaus der Stadt. Die St.-Michaelis-Kirche stammte aus ottonischer Zeit und wurde im Jahre 1211 dem nahe gelegenen Moritz-Kloster angegliedert. Nach dem furchtbaren Stadt-Brand von 1321 entstand sie neu, erfuhr jedoch eine wesentliche Ein-Engung ihres Geländes, da nach dieser Zeit sehr viele Patrizier hier ihre Wohn- und Wirtschafts-Gebäude errichten ließen. Andererseits beschenkten hallesche Geschlechter diese Altstadt-Kirche, so 1238 der Bürger Ratmar mit den Zinsen einer halben Mark und 1366 die Herren vom Thore mit fünf Mark für einen Altar in einer kleinen Chor-Kapelle. In der Mitte des 16. Jahrhunderts erfuhr St.Michaelis einen Umbau im Stil der Gotik und erhielt schließlich im Februar 1502 von Erzbischof Ernst einen Ablass zugesprochen. Doch die Reformation brachte auch dieser alten Kirche das Ende. Ein Dr. Milde erwarb sie als Privat-Besitz, ließ die Schiffe teilweise abreißen und baute das Ganze zu einem Renaissance-Wohnhaus um. Erst 1905 fielen die letzten Bau-Teile von St.Michaelis, um einem großen Wohn- und Geschäfts-Komplex Platz zu machen.

Wenig sichere Nachrichten liegen vom ältesten halleschen Rathaus vor. Nach mündlicher und chronikalischer Überlieferung soll es am Ausgang der Schmeerstraße gestanden haben, also an der Stelle des im März 1968 abgebrannten Meßmerschen Hauses, das mit seiner großen Frei-Treppe und dem Balkon den Alten Markt so glücklich abschloss. Der Sitz des seit 1258 nachweisbaren Rates der Stadt fiel ebenfalls dem großen Stadtbrand des Jahres 1312 zum Opfer und wurde danach auf dem neuen Marktplatz wieder aufgebaut.

Am Alten Markt befanden sich neben den öffentlichen Gebäuden eine große Anzahl stattlicher Wohnhäuser der führenden Rats-Geschlechter und Pfänner, so der Holzwirte, von Nordhausen, Drachstedt und Freiberg. Später lagen am Alten Markt eine Reihe angesehener Gast-Höfe, von denen Mitte des 18. Jahrhunderts noch vier existierten: "Das Goldene Rad", "Der Grüne Helm", "Die drei Kronen" und "Der Goldene Pflug". Dieser alte, 1605 neu erbaute Gasthof mit seinem hohen Steil-Dach und dem vorgekragten Giebel erfreute sich großer Beliebtheit. Viele Studenten kehrten hier ein. Kurz vor dem ersten Weltkrieg ließ sich in den alten stilvollen Räumen sogar eine hallesche Künstler-Vereinigung nieder, deren Motto "Kunst pflügt" auf das Haus-Wahrzeichen hinweist. Zu den "Pflügern" gehörten eine Reihe bekannter hallescher Maler und Schriftsteller, so Hans von Volkmann, der in seinen vielen Aquarellen und Zeichnungen Alt-Halle für immer festgehalten hat.

Seit dem Jahre 1480 besaß der Alte Markt auch einen "Röhrkasten", der einige Jahrzehnte später sein Wasser von einer Quelle aus dem Lerchenfeld erhielt und 1593 mit einem "steinernen Mannsbild" geschmückt wurde. Erst 1868 verschwand diese mittel-alterliche Anlage, der nun ein einfacher Zink-Brunnen folgte.

1906 konnte der jetzige Brunnen in Betrieb genommen werden. Der plastische Schmuck, der "Esel, der auf Rosen geht", das hallesche Wahrzeichen, fand erst im Juni 1913 auf dem Brunnen-Ständer seinen Platz. Es ist ein Werk des halleschen Künstlers Heinrich Keiling (1856 bis 1940), der Jahrzehnte lang in der Saale-Stadt lebte und wirkte. Im Frühjahr 1985 begannen die Rekonstruktions-Arbeiten am Alten Markt, die das Ziel hatten, Altes und Neues wieder zu einem organischen Platz-Ensensble der Altstadt zu machen. Während die alten Renaissance-Giebel-Häuser der Süd-Seite mit ihren uralten Keller-Gewölben umfassend erneuert wurden, erfolgte die Schließung der Baulücke bis zum "Assessor-Müller-Stift" durch moderne Bauten. Auf der Nord-Seite wurde das Haus "Zum goldenen Pflug" wieder instand gesetzt und diente den Denkmal-Pflegern als Arbeits-Sitz. Auch hier sorgen Neubauten mit den alten Fachwerk-Häusern für ein harmonisches Bild.


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Halle, Moritzkirche, © Bild und Heimat, 1980
Moritzkirche


Ringwanderung um die Altstadt

Von eigenem Reiz ist eine Wanderung entlang der alten historischen Stadt-Befestigung, deren Gräben, Wälle und Mauern fast verschwunden sind. Der Verlauf des mittel-alterlichen Verteidigungs-Systems lässt sich jedoch leicht erkennen, da seit dem frühen 19. Jahrhundert hier ein Promenaden-Ring um die Altstadt geschaffen wurde.

Besonders eindrucksvoll ist der erhalten gebliebene Stadt-Mauer-Rest am Hallorenring mit seinen Schieß-Scharten und den inneren Wehrgang-Bögen. In ihren Verlauf eingebunden sind die Moritzkirche und das Johannis-Hospital, das Ende der 80er Jahre rekonstruiert wurde.

Die Moritzkirche datiert den Beginn ihrer Geschichte auf das Jahr 1156. Auf dem Grund-Riss der ältesten Kirche wurde 1208 ein romanischer Erweiterungs-Bau begonnen, dem ab 1388 die hoch-gotische Anlage folgte. Im genannten Jahr begannen Peter von Mordal und Conrad von Einbeck ihre Arbeiten am hohen Chor, der mit einem Zyklus frei stehender Plastiken (12 Apostel und Christus) geschmückt war, von denen jedoch nur wenig erhalten blieb. Im Innern der Kirche befinden sich die ausdrucks-starken Plastiken Conrad von Einbecks, die er zwischen 1411 und ca. 1425 schuf. Wir erkennnen den Heiligen Mauritius ("Schellenmoritz"). die Schmerzens-Mutter Maria, den Schmerzens-Mann und Christus an der Marter-Säule sowie schließlich das berühmte Selbst-Bildnis Conrads als Konsolen-Figur im nördlichen Neben-Chor. Von seiner Hand stammt auch das Relief mit der Anbetung der heiligen drei Könige im Altar-Raum. Die Moritzkirche gehört heute der katholischen Gemeinde Neustadt und erfuhr in den 70er/80er Jahren eine umfassende denkmal-pflegerische Restaurierung.

In Richtung Franckeplatz führt der Weg zwischen den modernen Neubauten am Moritzzwinger und der Hochstraße nach Neustadt (südlich davon die katholische Elisabeth-Kirche und das Krankenhaus St.Elisabeth), längs der Franckeschen Stiftungen zum Waisenhausring, wo sich ebenfalls ein Abschnitt der historischen Stadt-Mauer erhalten hat. Am Leipziger Turm überqueren wir die Leipziger Straße und gehen den Hansering entlang bis zum Fahnen-Monument, das 1967, anlässlich des 50. Jahrestages der russischen Oktober-Revolution aufgestellt wurde. Die Treppe führt uns zu der reizvollen Anlage des Stadtparks, der sich bis zur Magdeburger Straße erstreckt.

Südlich davon liegt der Stadtgottesacker, eine Friedhofs-Anlage, die 1529 angelegt wurde und durch einen schönen Tor-Turm zugänglich ist. Dieser ist zugleich Mittelpunkt der zwischen 1557 und 1594 entstandenen Anlage von Schwib-Bögen, die sich über den Gräber-Grüften wölben. Die künstlerische Vielfalt des Ornaments an den Feldern und Pilastern der Arkaden erklärt sich aus der langen Bau-Zeit. In flacher Relief-Darstellung sind Blumen, Blätter, Früchte, Ranken, Fabel-Tiere und Masken dargestellt, deren Schöpfer Nickel Hofmann mit seiner Bau-Hütte war. Die Bomben-Angriffe im Frühjahr 1945 richteten schwere Schäden an und brachten zahlreiche Bögen zum Einsturz. Eine umfassende Rekonstruktion der unter Denkmalschutz stehenden Renaissance-Anlage ist in den letzten Jahren erfolgt und wird sich noch über einen gewissen Zeitraum erstrecken.

Der Stadtgottesacker beherbergt viele Gräber berühmter hallescher Persönlichkeiten. Erinnert sei an Professor Christian Thomasius (1655-1728), den Begründer der Universität Halle (Bogen Nr. 10), ihm gegenüber am Rande der Frei-Anlage liegt der Lieder-Komponist Robert Franz (1815-1892). Der Mediziner Friedrich Hoffmann (1660-1742), hervorragender Arzt und Balneologe, ruht im Bogen 47, während August Hermann Francke (1663-1727) und seine Familie eine würdige Stätte im Schwib-Bogen Nr. 80/81 besitzen.

Vom Fahnenmonument führt der Weg über die Große Steinstraße (An der Ecke die Universitäts-Zahnklinik) zu der schönen Anlage vor dem Opernhaus. Es entstand aus den Ruinen des am 31. März 1945 zerstörten Baus von 1886 und wurde am 31. März 1951 wieder eröffnet. Das Opernhaus ist das musikalische Zentrum der Händel-Festspiele, die seit 1952 alljährlich in Halle durchgeführt werden.

Auf dem weiteren Wege liegt linker Hand das "Robertinum", Institut und Museum für klassische und orientalische Archäologie, 1891/92 erbaut und nach dem halleschen Gelehrten Carl Robert benannt. In der vorgelagerten Anlage steht das Denkmal "Befreites Afrika", dessen Schöpfer der hallesche Bildhauer Gerhard Geyer ist.

Es folgt nun das Hauptgebäude der Universität, dessen Haupt-Front zur Spiegelstraße liegt und von einer Frei-Treppe mit zwei guss-eisernen Löwen markiert wird. Der klassisch-nüchterne Bau ist nur der Mittel-Trakt eines geplanten Komplexes. Die projektierten Seiten-Flügel konnten damals wegen fehlender Mittel nicht errichtet werden. Das Haupt-Gebäude wurde am 31. Oktober 1834 feierlich eingeweiht und beherbergt die Aula der Universität. Die vier Wandgemälde im zweiten Stock schuf 1884/85 der Historien-Maler Spangenberg. Sie versinnbildlichen die vier klassischen Fakultäten. Die übrigen Gebäude auf dem Universitätsplatz sind das Verwaltungs-Gebäude (1874), das Melanchthonianum (1902) und das Thomasianum (1910/11).

Uni (c) Gelbe Seiten
Universität

Halle: Eine der ältesten Universitätsstädte Deutschlands ist heute ein modernes Bildungszentrum, eine angesehene Stätte der Forschung und Lehre


Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist die größte und älteste Bildungseinrichtung in Sachsen-Anhalt. Sie gehört zu den ältesten Hochschulen des deutschen Sprachraumes. Im Jahre 1502 wurde sie vom sächsischen Kurfürsten Friedrich in Wittenberg gegründet. Die Lehren Martin Luthers und Philipp Melanchthons machten sie zu einem Zentrum der Reformation und der humanistischen Studienreform. Durch die Berufung bedeutender Gelehrter wie des Juristen Christian Thomasius oder des Theologen August Hermann Francke erlangte sie bald große Bedeutung. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts richtete J. Juncker in Halle das erste deutsche Universitätsklinikum ein. Dort promovierte Dorothea Christiane Erxleben als erste Frau an einer deutschen Universität.
Stets war die Universität eine hochangesehene Stätte der Forschung und Lehre - alten Universitäten wie Tübingen, Heidelberg, Jena, Leipzig oder Göttingen ebenbürtig. Ihren heutigen Namen "Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg" erhielt sie am 10. November 1933. Zur Zeit studieren etwa 14.000 Studenten an den sieben Fakultäten der Universität.



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Ringwanderung Ende

Auf dem weiteren Wege lässt uns eine alte (aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende) Bet-Säule mit Reliefs des Golgatha-Wegs und der Kreuzigung Christi aufmerken, die ursprünglich am Galgen (heute Riebeckplatz) stand. In der gleichen Anlage entdecken wir schließlich das Denkmal für Robert Franz, das 1903 von dem Bildhauer Fritz Schaper geschaffen wurde. Überqueren wir nun die Kreuzung Große Ulrichstraße/Geiststraße in Richtung Westen, stoßen wir auf die Moritzburg und das Tschernischewski-Haus, zwischen denen der alte Burg-Graben die Straße bis zur Würfelwiese bringt.


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Burg Giebichenstein 
 © MZ-Foto: G. Bauer
Es steht eine Burg überm Tale


Burg Giebichenstein: Imposanter Bau hoch über der Saale lockt mit traumhaften Ausblicken


Das älteste Bau-Denkmal dieser Gegend ist die sagen-umwobene und viel besungene Burg Giebichenstein. Die Oberburg, deren früheste Teile aus dem 10. Jahrhundert stammen, liegt auf einem steilen Porphyr-Felsen hart an der Saale und ist als Randhausburg angelegt. Die wichtigsten Gebäude, wie der Wohnrurm, der Palas und die Kemenate, standen längs der Umfassungs-Mauer und umschlossen den Burghof. Die stolze Veste gehörte zum Burgensystem, das König Heinrich I. (919-936) zum Schutze der Grenzen des früh-feudalen deutschen Reiches anlegen ließ. Sie diente in der Folge auch als Gewahrsam für fürstliche Reichs-Gefangene. Die bekannteste Sage um den Giebichenstein erzählt, dass einst der thüringische Landgraf Ludwig hier gefangen saß, sich jedoch durch einen kühnen Sprung aus der Höhe der Burg in den Fluss befreien und mit einem am Ufer bereitstehenden Pferd flüchten konnte.
Otto I. schenkte die Burg im Juli 961 mit allem Zubehör und Grund-Besitz dem Magdeburger Moritzkloster. Nach der. Gründung des Erzbistums (968) diente die Anlage als Residenz der Fürsten und wurde vergrößert. In der Regierungszeit von Erzbischof Wichmann (1352-1192) war sie Schauplatz glänzender Fürsten-Versammlungen und Hof-Feste. Die feudale Pracht-Entfaltung der Erzbischöfe ließ die Oberburg bald zu klein werden, so dass Erzbischof Friedrich III. (1445 bis 1464) den unterhalb des Burgfelsen gelegenen Ökonomie-Hof zur Residenz (Unterburg) ausbauen ließ.
Nach der Vollendung der Moritzburg in Halle zu Beginn des 16. Jahrhunderts wählten die regierenden Erzbischöfe dieses neue Schloss zu ihrer Residenz. Burg Giebichenstein wurde zur landwirtschaftlichen Domäne und Sitz eines Amtes für den Saalkreis.
In Schutt und Asche sanken Ober- und Unterburg in der Schreckenszeit des Dreißigjährigen Krieges, als die schwedische Besatzung am 27. Januar 1636 einen Brand verursachte. Die Trümmer der Oberburg nutzten die Einwohner der Dörfer als Steinbruch, so dass nur der weithin sichtbare Turm (Bergfried) erhalten blieb.
Die Unterburg jedoch wurde wieder hergerichtet und blieb Amtssitz. Um 1700 entstanden das sogenannte Landsknechts-Haus und das Herren-Haus, später die feste Brücke, eine Orangerie im Burg-Graben sowie der schöne Amtsgarten gegenüber dem Eingang zur Unterburg.
Im Jahre 1906 kaufte die Stadt Halle die Oberburg mit Amtsgarten, 1917 die Unterburg, in deren ausgebauten Räumen bald darauf die städtische Kunstgewerbe-Schule Aufnahme fand, die heute als Hochschule für Kunst und Design die großen Traditionen fortführt.
Im Sommer 1961 begannen auf der Oberburg Ausgrabungs-Arbeiten, deren Ergebnisse und Funde, u. a. die Umrisse der romanischen Kapelle, bei einer Besichtigung der Oberburg zu sehen sind. Heute ist die Ruine ein beliebtes Ausflugsziel. Von hoch oben lockt ein herrlicher Blick über das schöne Saaletal.



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© Infopedia
Händel



Einer der größten deutschen Komponisten: Georg Friedrich Händel ist der berühmteste Sohn Halles

Händelhaus


Das Eck-Gebäude "Zum Gelben Hirsch", heute Große Nicolaistraße 5, gehörte von 1666 bis 1782 der Familie Händel, die seit dem frühen 17. Jahrhundert in Halle ansässig war. Georg Händel, ein weit gereister und hoch angesehener Barbier und Chirurg, hatte es laut Kauf-Vertrag am 30. Juni 1666 erworben, um als Kammer-Diener des Administrators August in der Nähe der höfischen Residenz am Dom zu wohnen. Der erfolgreiche Mann heiratete am 23. April 1683 in zweiter Ehe die Giebichensteiner Pfarrers-Tochter Dorothea Taust, die ihm am 23. Februar 1685 einen Sohn Georg Friedrich schenkte. Das Geburts-Haus des berühmten Komponisten ging nach dem Tode des Vaters im Jahre 1697 an die Witwe über, die hier bis zu ihrem Tode am 27. Dezember 1730 lebte und wiederholt von ihrem Sohne, zuletzt 1729, besucht wurde.

Eine Tochter von Händels einziger Schwester, Johanne Friederike Michaelsen, heiratete Ende 1731 Dr. J. E. Flörcke und wohnte auch in diesem stattlichen Familien-Besitz. Nach ihrem Tode im Februar 1771 ging das Haus an den Rats-Meister F. A. Reichhelm über, der sich 1771 mit Dorothea Louise Flörcke verheiratet hatte. Der verdienst-volle und traditions-bewusste Mann war stolz auf die Händelsche Familien-Zugehörigkeit und plante, das Geburts-Haus zur Gedenk-Stätte auszubauen. Nachdem das Haus 1784 in fremde Hände übergegangen war, verlor sich jedoch die Erinnerung, obwohl seit 1803 eine erste Händel-Renaissance mit der Aufführung seiner Oratorien in Halle einsetzte.

Erst in der Vorbereitung des 200. Geburtstages im Jahre 1885 versuchten verschiedene Forscher, die inzwischen eingetretene Unsicherheit, in welchem Hause der Komponist zur Welt kam, zu beseitigen. Sie wurden vom Geschäfts-Sinn eines halleschen Kaufmanns überholt, der kurzerhand das benachbarte Gebäude zum Händelhaus erklärte und die Fassade mit zeittypischen Stuck-Ornamenten sowie einer Händelbüste und dem Haus-Wahrzeichen (fälschlicherweise ein weißer Hirsch) verzieren ließ.

Die Unsicherheit über das "wirkliche" Geburts-Haus verhinderte alle Museums-Pläne für das Eck-Haus, das dann 1896 Eigentum des halleschen Bankiers Lehmann wurde. Erst als Dr. B. Weißenborn den Streit zugunsten des Eck-Gebäudes entschieden hatte, erwarb die Stadt Halle laut Vertrag vom 21. August 1937 für 31.710 Mark das Anwesen, um hier ein Museum einzurichten. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhinderte diese Pläne, das Händelhaus verfiel sichtbar.

Schon am 13. Dezember 1945 beschließt die soeben gegründete "Bauhütte Roter Turm", das Händelhaus zu bewahren. Im Frühjahr 1946 begannen die Wiederherstellungs-Arbeiten, insbesondere an der Dach-Zone. Mit einer schlichten Feier konnte das Händelhaus am 13. Juni 1948 als Gedenk-Stätte für Händel und als Museum der halleschen Musik-Geschichte seiner Bestimmung übergeben werden.

In Vorbereitung des 300. Geburtstages von Georg Friedrich Händel wurde die Gedenk-Stätte unter Einbeziehung des benachbarten, sogen. "falschen Händelhauses" umfassend rekonstruiert. Mit einem festlichen Konzert wurde der gesamte Komplex am 20. Februar 1985 der Öffentlichkeit übergeben. Die Neu-Gestaltung des Händelhauses verdoppelte die Ausstellungs-Fläche. Hinzu kam ein Kammermusik-Saal für 110 Besucher, ein Studien-Raum zur Händel-Pflege, eine Freihand-Bibliothek, ein Café sowie Arbeits-Räume für die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft.

Händel-Festspiele

Es gibt sie seit 1922 in Halle. 1952 fanden die ersten Händel-Festspiele nach dem 2. Weltkrieg statt (Plakat rechts). Das linke Plakat wirbt für die 30. Händel-Festspiele der DDR. Darunter die Programm-Hefte von 1978 bis 1981.

30. Händel-Festspiele der DDRErste Händel-Festspiele nach dem 2. Weltkrieg

1978197919801981

Auch heutzutage werden alljährlich im Sommer zu Ehren des großen Komponisten in Halle die berühmten Händel-Festspiele ausgerichtet. Bei schönem Wetter finden manche Veranstaltungen unter freiem Himmel statt - in stimmungsvoller Atmosphäre in der Galgenberg-Schlucht oder auf dem Hallmarkt.

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Kote (c) Geschichtsmuseum
Siedekote 1789



Reiche Salzquellen prägten stets das Bild der Stadt.

Die Stadt Halle liegt am Rande der norddeutschen Tiefebene. Eine Gegend, die seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Grund hierfür waren die reichen Salzquellen, die der Salzgewinnung dienten und bereits seit der jüngeren Bronzezeit intensiv betrieben wurden.
Erwähnt wurde der Name Halle erstmals unter Karl dem Großen. Vor allem der Salzaufbereitung verdankte die Stadt in dieser Zeit ihren Reichtum und ihre Bedeutung. Die ergiebigen Solquellen wurden vom Mittelalter bis in die Neuzeit genutzt und prägten stets das Bild der Stadt.

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300 J. Franck. Stift. (c) DP
Die Hallenserin Barbara Dimanski gestaltete die Briefmarke zum 300. Jubiläum der Franckeschen Stiftungen.


Der Universitätsprofessor August Hermann Francke gründete 1698 die sogenannten Franckeschen Stiftungen: ein Armen- und Waisenhaus, in dem zeitweise bis zu 2500 Menschen lebten. Heute befinden sich unter anderem ein Kulturzentrum (mit sehenswerten Ausstellungen) sowie eine Bibliothek in den Räumlichkeiten der Stiftung.



Briefmarke März 2013 Geburtstag Francke © DP



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 Halle, Marktplatz mit den Fünf Türmen, 
 Repro einer colorierten Ansichts-Karte 
 Sammlung Pabst, © H. C. Schmiedicke, 1984


Der Marktplatz

Marktkirche, Rathaus, Roter Turm und Stadthaus: In Halles Zentrum am Markt sind eindrucksvolle Bauten vereint


Der Marktplatz in Halle bildet seit jeher das Zentrum der Altstadt, auf dem sich Kaufleute, Salzgäste, Handwerker und Bauern der Umgebung zu Tausch, Handel und Verkauf begegneten. Er ist eine Schöpfung des frühen 12. Jahrhunderts, als die aufstrebende Stadt-Gemeinde einen neuen großen Befestigungs-Ring begann, der einen weit größeren Siedlungs-Raum umschloss, als bis dahin die Altstadt um den Alten Markt ausmachte. Fünfzehn Straßen band die neue weiträumige Platz-Anlage netz-artig zusammen. Durch Bündelung kurz vor der Eingangs-Zone (wie etwa die Große Ulrichstraße, Große Steinstraße und Große Nikolaistraße in die Kleinschmieden) wurden städtebaulich ungemein wirkungsvolle Lösungen gefunden. Das mittel-alterliche Bild des halleschen Marktplatzes wurde durch vielerlei Buden, Gewand-Häuser, Werk-Stätten und Scharren-Gebäude bestimmt. Sie ließen nur auf der Ost-Seite etwas freien Platz, wo das Rathaus und die Wage (das Bürgerhaus der Gemeinde) standen. Auf der West-Seite waren seit dem ersten Viertel des 12. Jahrhunderts die schlichten romanischen Kirchen St. Marien und St. Gertrauden entstanden, die in einer Achse hinter einander lagen.
Mit Beginn der früh-bürgerlichen Revolution im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts begann die Bürgerschaft, durch repräsentative Neubauten und Beseitigung vieler mittel-alterlicher Buden dem Markt ein modernes Aussehen zu geben. Krone dieser Bemühungen war die Vollendung des 1418 begonnenen Roten Turms im Jahre 1506 zur Zierde der hoch-berühmten Stadt Halle, wie es in der Einweihungs-Urkunde heißt. Die Ideen führte Kardinal Albrecht (seit 1513 Erzbischof) fort, der Halle zu seiner Lieblings-Residenz umgestalten wollte. Er setzte den Umbau der beiden alten Gottes-Häuser zu einer vier-türmigen Hallen-Kirche durch, die 1529 bis 1554 errichtet wurde. Dominiert wird der Marktplatz auch heute noch von der mächtigen Marktkirche, deren Türme der Stadt ein einzigartiges Gesicht geben. Lyonel Feiniger, Ernst Ludwig Kirchner und Caspar David Friedrich waren von dieser Kirche derart beeindruckt, dass sie in zahlreichen ihrer Werke abgebildet ist. Die schlanken Säulen, das wundervolle Netz-Gewölbe und die großzügige Hallen-Konstruktion machen den Bau zu einem der eindrucks-vollsten Räume der Spätgotik. Seitdem bildet sie mit der Spitze des Roten Turmes das Wahr-Zeichen der "Fünf Türme" Halles.
Am Roten Turm steht die steinerne Rolands-Figur (vor 1719 aus Holz), die ein mittel-alterliches Symbol der städtischen Gerichts-Hoheit darstellt.
Aus der reichen Geschichte der Marktkirche sollen folgende Ereignisse erwähnt werden: In den Jahren 1545/46 predigte Martin Luther mehrmals zu der Gemeinde. Noch heute werden in einem gotischen Schrank der Sakristei die Totenmaske und die Hände (Wachs-Abformung) aufbewahrt.
Der berühmte Komponist Georg Friedrich Händel erhielt hier am 23. Februar 1685 die Taufe und lernte später beim Organisten Zachow das Orgel-Spiel.
Johann Sebastian Bach stand 1713/14 in Verhandlungen mit dem Kirchen-Rat um die Übernahme des Organisten-Amtes, die sich allerdings zerschlugen. Später gab er ein Gutachten über die neue Orgel (1716) ab und sorgte mit dafür, dass sein ältester Sohn Wilhelm Friedemann Bach die einst von ihm angestrebte Stelle erhielt, die dieser von 1746 bis 1764 wahrnahm.
In seiner wechsel-vollen und ereignis-reichen Geschichte erfuhr der Marktplatz immer wieder bauliche Veränderungen. Heute zeigt sich dem Besucher ein stark gegensätzliches Bild von historischen und moderneren Gebäuden. Der schwärzeste Tag für Halle und seinen Markt war der 31. März 1945, an dem ein schwerer Luft-Angriff auf Halle auch das alte Rathaus und die Wage (von 1694 bis 1832 Haupt-Gebäude der Universität) zerstörte. Die Marktkirche erhielt einen schweren Minen-Treffer, während der Rote Turm 2 Wochen später durch Artillerie-Beschuss völlig ausbrannte.
Sorgsam restaurierte Bau-Substanz der Renaissance befindet sich auf der Nord-Seite (Hirsch-Apotheke, 1535 gegründet), wo auch eine Gasse zum "Kühlen Brunnen" führt. Dieser weit-läufige Stadt-Palast wurde zwischen 1520 und 1530 von dem Patrizier in erzbischöflichen Diensten Hans von Schönitz erbaut. Im 19. Jahrhundert stark vernachlässigt, wurde der Komplex bis zur Wende von Denkmal-Pflegern restauriert und verfiel dann wieder. Inzwischen scheint eine Teil-Lösung gefunden. Ein neuer Anbau in der Nikolaistraße lässt eine gastronomische Nutzung vermuten.
Sinnvoll genutzt wird das benachbarte "Marktschlösschen", ein Patrizier-Haus der Spät-Renaissance, in dem eine Galerie ihr Domizil hat.
Auf der Süd-Seite steht das Stadthaus, 1891/93 im Stil der Neu-Renaissance als Sitz der Stadt-Verordneten errichtet. Im Mittel-Punkt des Marktes steht das 1859 von dem Bildhauer Hermann Heidel errichtete Händel-Denkmal, das an den berühmten Sohn der Stadt Halle, den Komponisten Georg Friedrich Händel, erinnert.
Durch die Abtragung der Ruinen des alten Rathauses trat der ehemalige "Ratshof", als städtisches Verwaltungs-Gebäude 1927/30 erbaut, in den Vordergrund und wurde zum Sitz des Rates der Stadt Halle. Am südwestlichen Eck-Turm erhielten die von dem Bildhauer Gustav Weidanz geschaffenen Bronze-Plastiken 1984 ihren angestammten Platz wieder, nachdem sie 1940 durch die faschistischen Macht-Haber entfernt worden waren. Die von dem halleschen Künstler J. Baumgärtner nach-gestalteten Plastiken symbolisieren (von oben nach unten) die Industrie, die Saale, den Handel, das Saaletal und den Bergbau.


Graseweg, (c) Gelbe Seiten

Unweit des großen Marktes, im Graseweg, steht ein weiteres sehenswertes Gebäude: ein vorbildlich restauriertes Fachwerkhaus.



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Stadtwappen


HALLE - Zahlen und Fakten

Kulturstadt, Technologie- und Wissenschaftsstandort: Hier finden Sie Wissenwertes über Halle und warum es sich lohnt, hier zu leben oder Urlaub zu machen


Halle ist die größte Stadt Sachsen-Anhalts:
Die Stadt Halle ist mit ca. 250.000 Einwohnern und einer Fläche von 135 km2 die größte Stadt des Landes Sachsen-Anhalt und die viertgrößte im Osten Deutschlands. Sie liegt an den Ufern der Saale und verfügt über eine günstige Verkehrsanbindung: Flughafen Leipzig-Halle, Autobahnkreuz A9/A14, ICE/IC-Anbindung, Saalehafen Trotha.

Halle ist die wichtigste Kulturstadt Sachsen-Anhalts:
In der Geburtsstadt Händels gibt es viel zu hören (Händel-Festspiele, Kinderchorfestival), zu feiern (Laternenfest, Salzfest), zu sehen (Staatliche Galerie Moritzburg, Stadtgottesacker, Franckesche Stiftungen, Dom, Marienbibliothek) - und man kann sich sehr gut unterhalten lassen (Opernhaus, mehrere Sprechtheater, Varieté).

Halle ist ein wichtiger Technologie- und Wissenschaftsstandort:
Gelegen in der traditionsreichen lndustrieregion Mitteldeutschland bildet die Stadt zusammen mit dem 38 Kilometer entfernten Leipzig das Zentrum eines urbanen Wirtschaftsgroßraumes. Vorherrschend sind hier vor allem Dienstleistungsunternehmen und Technologiezentren. Zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen haben in Halle ihren Sitz. Unsere bekanntesten Produkte sind heutzutage Hallorenkugeln, Kathi-Kuchenmehl und Waggons aus Halle-Ammendorf.

Halle ist eine Stadt zum Leben:
Halle verfügt über 71 km2 Wasser- und Grünfläche. Sport treiben kann man in 124 Vereinen auf 63 Sportplätzen und fünf Tennisanlagen. Freizeit läßt sich aber auch herrlich im Zoo, im Botanischen Garten, auf der Galopprennbahn, auf der Peißnitzinsel, am Saaleufer oder in einem der zahlreichen Kinos verbringen.


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Reichardts Garten

Reichardts Garten - bedeutendes Gartendenkmal


Der traditionsreichste hallesche Park ist Reichardts Garten, der sich von der Seebener Straße unweit des Saale-Ufers bis zur Höhe der Friedenstraße erstreckt. Der Schöpfer dieser wunderschönen Anlage war der Kapellmeister Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), der wegen seines offenen Eintretens für die Französische Revolution 1794 endgültig aus seinem Amt als preußischer Hofkapellmeister in Berlin entlassen wurde und sich nun für immer in Giebichenstein ansiedelte. In wenigen Jahren war der alte Bauernhof von diesem weltoffenen und kontaktfreudigen Komponisten, Dirigenten und Schriftsteller zur "Herberge der Romantik" umgewandelt worden, in der er die besten Köpfe seiner Epoche, Gelehrte, Künstler und Dichter, als Gäste willkommen heißen konnte.
Der von Reichardt im englischen Stil angelegte Garten fand allgemeine Bewunderung bei den Besuchern. So schrieb der hallesche Uni-Professor Henrik Steffens, der später eine Tochter Reichardtsheiratete, über seine Eindrücke, als er erstmals in die Saale-Stadt kam:
"Er führte mich in seinem Garten herum, dessen Anlage und Umgebung mich hinriss. Ich muss diesen kleinen Park unter seine schönsten Kompositionen rechnen, alle Gartenziererei war möglichst vermieden, eine Fülle einheimischer und nordamerikanischer Bäume schmückten ihn; ansteigende Höhen und kleine Täler gaben ihm eine erwünschte Mannigfaltigkeit, die Ebene, die sich dem Hause anschloss, ruhige Bequemlichkeit; der in dieser sanften Umgebung mächtige Reils-Berg erhob sich dicht hinter dem Haüse. Es durfte kein Schuss fallen, alle Säugetiere und Vögel, die ihn betraten, waren geschützt, Hasen nagten an den Kräutern, ein Volk Rebhühner brütete ungestört in den schattigen Plätzen, eine große Zahl Nachtigallen nistete in den Gebüschen. Reichardt hatte seinem Kutscher und seinem Bedienten Unterricht geben lassen im Waldhornblasen, seine Töchter bildeten zusammen Gesangs-Chöre...; wenn oft an schönen lauen und stillen Sommer-Abenden die alten, wehmütigen, lyrischen deutschen Gesänge, von Waldhörnern begleitet; in dem stillen Garten erklangen, war der Eindruck hinreißend."
Reichardt und seine Familie haben sich nur wenige Jahre dieses Glücks und einer ungestörten Geselligkeit erfreuen können. Als die französischen Truppen im Oktober 1806 Halle eroberten, wurde das Land-Haus schwer beschädigt, und Reichardt musste fliehen. Nach unruhevollen Jahren starb Reichardt am 27. Juni 1814 in seinem Giebichensteiner Heim und fand auf dem Kirchhof an der Bartholomäuskirche seine letzte Ruhestätte. Die Familie musste später das Grundstück mit dem Garten verkaufen, ehe 1902, anlässlich Reichardts 150. Geburtstages, die Stadt Halle Eigentümer wurde und das Gelände zum öffentlichen "Bürgerpark" umgestaltete.
Pfingsten 1946 hatte die um die Erhaltung und Restaurierung kriegs-beschädigter Bauwerke und Denkmäler unserer Stadt verdiente Bauhütte Roter Turm in Reichardts Garten einen Goethe-Gedenkstein aufstellen lassen. Seine Inschrift lautet: "Johann Wolfgang von Goethe weihte diese Stätte durch seinen Aufenthalt in den Jahren 1802, 1803 und 1804 als Gast J. Friedrich Reichardts, des Schöpfers dieses Gartens und ersten bedeutenden Vertoners der unsterblichen Lieder und Balladen des Dichters". Das in den Stein eingelassene Bronze-Relief stammt von dem halleschen Bildhauer Richard Horn und zeigt Goethe im Profil. Über die erwähnten Aufenthalte heißt es in den "Tag- und Jahresheften" des Dichters:
"Die Nähe von Giebichenstein lockte zu Besuchen bei dem gastfreien Reichardt; eine würdige Frau, anmutige schöne Töchter, sämtlich vereint, bildeten in einem romantisch-ländlichen Aufenthalte einen höchst gefälligen Familienkreis, in welchem sich bedeutende Männer aus der Nähe und Ferne kürzere oder längere Zeit gar wohl gefielen, und glückliche Verbindungen für das Leben anknüpften."
Eine ältere Büste des Komponisten diente als Vorlage für die jetzt im Park stehende Nachbildung aus Bronze, die 1947 aufgestellt wurde.



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© Texte nach: Dr. Werner Piechocki "Stadtführer Halle (Saale)", Halle 1985.

Abb.: Briefmarkenmotive-DP (2), Gelbe Seiten (5), Infopedia (1), Geschichtsmuseum (1).