Alles ≈Saale≈ oder was?

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Inhalt
Geschichte des halleschen Saaletals Die Rabeninsel
Die Pulverweiden Die Würfelwiese
Die Peißnitzinsel mit Gut Gimritz Die Ziegelwiese
Die Klausberge Der Forstwerder

 

Saale-Aue in Halle


Forstwerder-Brücke


Pfingstanger


Die Saaleaue in Halle

Viele reizvolle Ecken verdankt Halle seinem Fluss. Nicht überall nennt er sich einfach nur Saale. In die Übersicht links habe ich die verschiedenen Namen eingetragen, wie man sie in den Landkarten findet. Die Fließ-Richtung ist immer nach "oben", der dicke Strich in der Mitte heißt Saale, die hellblauen Markierungen zeigen die Schleusen an: Planena, Böllberg, Halle-Stadt, Gimritz und Trotha. Die weißen Ziffern stehen für die Brücken (Auswahl):

1 - Röpziger Brücke, 2 - Rabeninsel-Brücke, 3 - Kleine Rabeninsel-Brücke, 4 - Pulverweiden-Brücke, 5 - Hafenbahnbrücke, 6 - Genzmerbrücke, 7 - Schwarze Brücke, 8 - Hallorenbrücke, 9 - Klausbrücke, 10 - Schieferbrücke(n), 11 - Elisabethbrücke, 12 - Saline-Brücke (geplant), 13 - Mühlbrücke, 14 - Burgbrücke, 15 - Pfälzer Brücke, 16 - Dreierbrücke, 17 - Schafbrücke, 18 - Gutsbrücke, 19 - Neue Brücke, 20 - Schwanenbrücke, 21 - Brücke der Freundschaft (Peißnitzbrücke), 22 - Steinmühlenbrücke, 23 - Ochsenbrücke, 24 - Giebichensteinbrücke, 25 - Forstwerderbrücke ("Katzenbuckel").


Leipzig an der Saale?

Die Saale entspringt im Fichtelgebirge und erhält Zustrom vor allem aus dem Thüringer Raum. Geologische Untersuchungen geben darüber Auskunft, dass die Saale erst seit jüngerer Zeit ihren heutigen Weg nimmt. Vor der Elster-Kaltzeit floss sie von Weißenfels über Leipzig nach Dessau. Doch drang das Eis während der Kaltzeit bis zum Nordrand der Mittelgebirge vor, das Fluss-Netz wurde von den Gletschern überfahren und musste anschließend einen anderen Verlauf nehmen. Der neue Weg führte die Saale bereits nach Halle, sie floss von Ammendorf in einem breiten Tal über Büschdorf, Reideburg, Landsberg in Richtung Zörbig. In der Saale-Kaltzeit überdeckten wiederum Gletscher unseren Raum. Einer der letzten Eis-Vorstöße endete unmittelbar nördlich von Halle (Petersberger Endmoränen-Lage). Die Saale konnte nicht nach Norden abfließen, musste ausweichen und fand nun offensichtlich die durch Salz-Auslaugung erweiterte Senke zwischen Wörmlitz und Peißnitzinsel. Gemeinsam mit den Schmelz-Wässern der Gletscher durchbrach sie die Porphyre zwischen Kröllwitz und Brachwitz und benutzte dann das bereits vorhandene Fluss-Bett der Salzke. Anfangs über den Porphyr-Riegel hinweg strömend, sägten sich die Wässer rückschreitend durch das harte Gestein von Brachwitz nach Kröllwitz. Hier ist das ansonsten mehr als 2000 m breite Saaletal auf 80 bis 100 m verengt. Der Bereich zwischen der ehemaligen Papierfabrik Trotha und dem Amselgrund ist das zuletzt entstandene Teilstück des heutigen Saaletales.


Seit 200 000 Jahren bewährt - das hallesche Saaletal

Nachfolgende Gletscher-Vorstöße erreichten unseren Raum nicht mehr. Die Saale konnte in ihrem Lauf verbleiben. So fließt sie seit etwa zweihunderttausend Jahren in ihrem jetzigen Tal. Innerhalb des Tal-Bereiches jedoch, vor allem dort, wo nicht die festen Porphyre entgegen stehen, hat die Saale während und nach der letzten Kaltzeit (sie ging vor ca. 15000 Jahren zu Ende) durch ihre mäandrierende Tätigkeit häufig ihren Lauf verlegt. So hat sie zwischen Alt-Halle und Neustadt ein Tal von fast zwei Kilometern Breite geschaffen, das gleichzeitig mit Sand und Kies aufgeschottert wurde. In den vegetations-freien Phasen bedeckten mehrfach vom Wind angewehte Sand- und Staub-Massen (Löß u. a.) das gesamte Gebiet. Davon sind durch die Erosion nur noch Reste verblieben. Mit zunehmender Erwärmung und Entstehung des heutigen Klimas (seit ca. 6000 bis 8000 Jahren) bildeten sich die jüngsten Ablagerungen im Saaletal, die Aue-Mergel und Aue-Lehme. Als Ergebnis regelmäßiger Überschwemmungen überziehen sie die gesamte Aue mit oftmals mehreren Metern Dicke.

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Der Mensch greift ein

Um sich vor diesen Hochwässern zu schützen sowie um den Fluss und die fruchtbaren Auen zu nutzen, hat der Mensch begonnen, Wasser- und Damm-Bauten zu errichten. Damit greift er in das Natursystem Saaleaue ein und bestimmt teilweise dessen weitere Geschichte. Mit der Stadt-Entwicklung erfolgten zunehmend Eingriffe und Veränderungen im Saale-Lauf durch den Menschen. Neben den wasserbau-technischen Einrichtungen zum Betreiben der zahlreichen Mühlen (ab etwa 1280) und der halleschen Wasserkunst (ab 1474) zur Versorgung des Marktplatzes und anderer öffentlicher Plätze sowie einiger Bürgerhäuser mit Trinkwasser aus der Saale, wurden bereits frühzeitig auch Maßnahmen gegen Hochwasser-Gefahren getroffen, wie die Anlage des Flutgrabens zwischen der Saale und dem Mühlgraben belegt. Noch heute dient er dem Überlauf vom Mühlgraben zur tiefer gelegenen Saale bei Hochwasser und entlastet so den Wasserstand im Mühlgraben. Er wurde wahrscheinlich zwischen 1580 und 1620 gebaut, da er auf Stadtansichten bis 1580 nicht erkennbar ist, jedoch im ältesten Stadtplan von 1667 existiert. Größere Eingriffe waren auch mit dem Bau der Hafen-Anlagen verbunden. So entstand 1857 der Sophienhafen mit einem neuen Becken. Der Trothaer Hafen wurde erst 1929 ausgebaut.


Die großen Brücken

Die umfangreichsten Flusslauf-Veränderungen erfolgten aber mit dem Bau der Schnellstraßen-Verbindung zwischen Alt-Halle und Neustadt. Die Strecken-Führung mit mehreren Brücken-Neubauten erforderte ein möglichst unkompliziertes Überqueren der Saale-Arme, die durch deren Verlegung weitgehend erreicht werden konnte. Diese Arbeiten vollzogen sich von 1968 bis 1978. Bei der Verbindung der Wilden Saale mit der Elisabethsaale konnte ein Teilstück des Mitte bis Ende der 30er Jahre erbauten, ursprünglich bis nach Leipzig geplanten Kanals einbezogen werden. Die Bögen der Wilden Saale am Holzplatz und am Sandanger wurden verschüttet wie auch die Saale an der Herrenstraße und die Gerbersaale. Der Mühlgraben erhielt seine neue Verbindung zur Saale dort, wo die Gerbersaale abzweigte und verläuft in seinen ersten 300 m in einem neuen Bett.

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Saale-Radweg

Eine Rad-Tour durch das schöne Saale-Tal in Halle ist Balsam für die Seele.
Der gut ausgeschilderte Weg ist ein Teil-Stück des nationalen Rad-Weges Zell - Hof - Jena - Halle - Barby.

Schafbrücke im Süden von Halle


Veränderungen im Fluss-Lauf

blau = natürlicher Fluss-Lauf   
 hellblau  = künstlich angelegt   
grau = zugeschüttet   
Strichlinie = unterirdisch (Rohr)   

Die Rabeninsel

Die RabeninselDie Rabeninsel, nahe Böllberg, wird als bewaldeter Werder schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Er gehört in jener Zeit dem reichen Kloster Neuwerk, das ihn 1291 gegen die Mühle von Böllberg eintauscht. Später ist die Insel im Besitz des Glauchaer Nonnen-Klosters St.Georg, um dann nach der Reformation dem Amt Giebichenstein zugeschlagen zu werden. Im Jahre 1929 gelingt der Stadtverwaltung schließlich, den staatlichen Forst-Bezirk zu erwerben und ihrem Grün-Gürtel einzugliedern. Der Name Rabeninsel ist eine Neubildung. Noch im 18. Jahrhundert berichtet der hallesche Chronist Dreyhaupt exakt, dass dieser mitten in der Saale gelegene Werder "insgemein wegen der vielen daselbst nistenden Krähen das Krähen-Holtz genannt" wird. Nach den Befreiungs-Kriegen, als die Hallenser die Schönheiten ihrer Umgebung entdecken, wird auch die Rabeninsel gern aufgesucht. Die Ausflügler erreichen das Waldgebiet mit der Gondel von Glaucha aus oder mit der Böllberger Fähre. An deren Lande-Platz standen einfache Bänke und Tische, an denen der Böllberger Wirt Erfrischungen reichte. In dem Büchlein "Blicke auf Halle und seine Umgebungen" aus dem Jahre 1824 wird die Rabeninsel als Ausflugsziel der Hallenser genannt. "Spaziergänge durch das wilde Holz und nach den mannigfach ausgebauten und bepflanzten Schießplätzen der Jäger, zuweilen auch Musik und Tanz im Freien machen die Unterhaltung der Besucher aus." Niemand von den Ausflüglern jener Zeit wusste, dass die abgeschiedene Insel auch Treffpunkt republikanischer Studenten war, die von den preußischen Behörden argwöhnisch verfolgt wurden. Ausführlich schildert uns Arnold Ruge, der berühmte Herausgeber der "Hallischen Jahrbücher" und später der "Deutsch-französischen Jahrbücher", die Erlebnisse seiner Studentenzeit in Halle. Er war im Frühsommer 1821 immatrikuliert worden, gewann bald Kontakt zur Burschenschafts-Bewegung und nahm an geheimen Zusammenkünften in der Heide, auf den Pulverweiden und der Rabeninsel teil, wo leidenschaftliche Debatten um die Zukunft Deutschlands an der Tagesordnung waren. Alle hatten sich, so schreibt Ruge in seinen Lebens-Erinnerungen "Aus früherer Zeit", geschworen, "mehr Klarheit und Bewusstsein in das hallesche Treiben hinein zu bringen." Im Jahre 1824 verhaftet der preußische Staat Ruge wegen Teilnahme an "hochverräterischen Verschwörungen" und verurteilt ihn zu 14 Jahren Festung.

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Auf der RabeninselDie ersten Promenaden-Wege legte man auf der Rabeninsel um 1840 an. Im "Wegweiser von Halle" aus dem Jahre 1853 wird allerdings geklagt, dass "die früher äußerst anmutigen Anpflanzungen" leider immer mehr verfielen. Inzwischen gab es schon eine zweite Gaststätte an der Nord-Spitze, dicht am Landungs-Platz der von Halle kommenden Boote. Schließlich eröffnete die Familie Kurzhals eine dritte Sommer-Gaststätte im Jahre 1862, da nun schon regelmäßig Dampfer zur Rabeninsel fuhren. Die vielen Anzeigen in den halleschen Tages-Zeitungen beweisen, dass die Rabeninsel an den Sonn- und Fest-Tagen zu allen Zeiten das Ziel Tausender Erholung suchender Großstädter war. Nachdem die Rabeninsel in der Zeit des Vormärz zum viel besuchten Erholungsort der Hallenser geworden war, fehlte es nicht an Versuchen, mit attraktiven Veranstaltungen für die Unterhaltung der Gäste zu sorgen. So kündigt eine Anzeige vom 11. August 1846 in den halleschen Tages-Zeitungen an, dass am folgenden Sonntag (16. August) auf der Rabeninsel Schillers Schauspiel "Die Räuber" gegeben werden sollte. Die Initiatoren waren Schauspieler, die wegen der Sommer-Pause am Stadttheater stellungslos waren. In ihrer Ankündigung heißt es: "Dem Beispiel der größten Städte Deutschlands und Italiens folgend, wagen wir, das Schauspiel des großen Meisters, so wie es seiner feurigen Phantasie vorschwebte, mit Herbeiziehung von auswärtigen Künstlern und würdiger Ausstattung, auf der von herrlichem Laube begrenzten Waldfläche zur schönen Naturwahrheit zu verwirklichen." Auf der Wiese, die sich nicht weit von der Dampfer-Anlegestelle befindet, hatte man eine Arena errichtet, auf der die ersten Akte noch bei Tages-Helle, "der 4te und 5te Akt bei Flammen- und Fackelbeleuchtung zur Anschauung gebracht" werden sollten. Am Aufführungs-Tage verkehrten Gondeln für die Besucher vom Apollogarten (Genzmer-Brücke) bis zur Insel. Das Theater-Experiment auf der Freilichtbühne der Rabeninsel fand keine Fortsetzung. Die sich seit 1846 stark zuspitzenden politischen und sozialen Verhältnisse in Halle, die zur Revolution von 1848 führten, ließen den Behörden solche Aufführungen wenig ratsam erscheinen.

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Die moderne Rabeninsel-BrückeDagegen erfreuten sich Wasser-Fahrten nach der Insel zu allen Zeiten größter Beliebtheit. Schon im Frühjahr 1820 wirbt der Schiffer Lange für seine "ganz neugebaute bedeckte Gondel mit Fenstern, Türen und aller Bequemlichkeit versehen", die nach der Rabeninsel und der Bergschenke fahren will. War in strengen Wintern die Saale zugefroren, boten die Fischer der nahe gelegenen Weingärten Stuhl-Schlitten für Ausflüge zu dem verschneiten Eiland an. Große Tradition hat die Feier der Sonnen-Wende oder des Johannes-Tages auf der Rabeninsel. Im Schiller-Jahr 1859 fand z.B. hier am 24. Juni "ein großes Konzert, Illumination und Brillantfeuerwerk" statt, wo Sonnen, Sterne mit Strahlen und zum Schluss "starke Schläge und bengalische Flammen in verschiedenen Farben" vorgeführt wurden. Durch die starke Bebauung im Süden der Stadt ist die Rabeninsel heute ein wichtiges Erholungsgebiet für die Einwohner. Vor einigen Jahren wurde zwischen Böllberg und der Rabeninsel eine moderne Fußgänger-Brücke errichtet.

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Die Pulverweiden

Die "Goldene Egge" auf den PulverweidenDie Pulverweiden bilden den südlichen Teil der großen Insel zwischen der Schiffersaale und der Wilden Saale, die durch die Mansfelder Straße, den alten historischen Steinweg, geteilt wird. Diese Saaleaue-Landschaft nennen die Urkunden schon früh, so 1172, wo die Pulverweiden als Morast-Teich bei der Hohen Brücke, und 1225, wo sie als Weiden zwischen der Brücke und dem Morast-Teich erwähnt werden. In dieser einsamen und offensichtlich unwegsamen Gegend errichten die Mönche des Klosters Neuwerk im Jahre 1172, privilegiert durch Erzbischof Wichmann, eine Mühle, deren Anlage jedoch den Protest des halleschen Rates herausfordert. Das Kloster muss schließlich die Mühle abreißen lassen, wofür die Stadt 200 Mark Silber Entschädigung zahlt, den Fleck nun aber als Eigentum besitzt. Lange Zeit lag er wüst und leer, bis am Anfang des 16. Jahrhunderts der Rat hier eine Pulvermühle erbaute, von der sich dann der Name Pulverweiden für diesen Inselteil ableitet. Aus den Chroniken erfahren wir, dass die Pulvermühle verschiedentlich durch Explosionen zerstört wurde. Auch im Dreißigjährigen Krieg fliegt die Pulvermühle durch Unvorsichtigkeit plündernder Soldaten in die Luft, so dass die Stadtväter die Mühle an Privatleute verkaufen, die jedoch ebenfalls wenig Glück haben. Als 1706 der Sohn des Besitzers August Denner die Mühle anzündet und alles ein Raub der Flammen wird, lässt Denner sie nicht wieder aufbauen. An der Stelle der Pulvermühle entsteht nun auf den Pulverweiden eine kleine bescheidene Wirtschaft, die gern von Studenten aufgesucht wird. Besonders an den warmen Sommertagen baden sie hier oder benutzen die Pulverweiden als Reit-Gelände. Kein Wunder, dass 1793 eine größere Schenke entsteht, die den Namen "Goldene Egge" erhält. Der Gasthaus-Name erinnert an das Wappen des Klosters Neuwerk, das ja, wie erwähnt, der älteste Grund-Besitzer dieser Gegend war. Schon wenige Monate später war dieses friedliche Idyll vergangen! Die Franzosen eroberten in den Oktober-Tagen 1806 Halle von der Hohen Brücke her (Nähe Elisabeth-Brücke), wobei die ersten erbitterten Kämpfe sich auch auf den Pulverweiden abspielten. Nach den Befreiungs-Kriegen bildet die abseits gelegene "Goldene Egge" auf den Pulverweiden den heimlich aufgesuchten Versammlungsort für die politisch fortschrittlichen Studenten. Ausführlich schildert uns Arnold Ruge, seit dem Frühsommer 1821 als Student in Halle, seine Erlebnisse in seinen Erinnerungen "Aus früherer Zeit". Wir erfahren, dass er in der "Egge" Kontakt mit der Burschenschafts-Bewegung knüpfen konnte und hier an hochpolitischen Diskussionen teilnahm, deren Teilnehmer die Beseitigung der Monarchie durch eine Revolution forderten. Ruge überliefert eine Rede des führenden Burschenschaftlers der halleschen alma mater, die erstaunliche Aufschlüsse vermittelt. Es heißt u.a.:"Ich sage daher, es ist unendlich wichtig, dass wir den Regierungen zum Trotz diesen Geist der Freiheitskriege unter uns erhalten; aber es ist damit nicht gethan. Ohne Hauen und Stechen geht es am Ende doch nicht ab. Die Burschenschaft hat eine politische Aufgabe; wir müssen nicht nur die Gesinnung, wir müssen auch die - Revolution erzeugen."

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Die Wilde Saale Allerdings schränkt der Berichterstatter ein, konnte man derart offen nur wenigen Studenten die Notwendigkeit revolutionärer Aktionen darlegen. Aber sie hatten sich geschworen, "mehr Klarheit und Bewusstsein in das hallesche Treiben hinein zu bringen." Oft fanden auch Kommerse statt, die von Hunderten Studenten besucht wurden und natürlich vor dem Haus im Freien stattfanden. Einen denkwürdigen Platz im politischen Leben der Stadt behaupten die Pulverweiden jedoch durch die Tatsache, dass hier die erste große Volks-Versammlung unter freiem Himmel am 26. März des Revolutions-Jahres 1848 abgehalten wurde. Die Debatte über die angekündigten Fragen bestritten vorwiegend Vertreter des Bürgertums liberaler Prägung, so Professor Burmeister, A. H. Niemeyer, der Direktor der Franckeschen Stiftungen, der Mediziner Professor Volkmann und der bekannte Unternehmer und Stadtrat Ludwig Wucherer. Nach diesen Revolutions-Ereignissen wurde es wieder still auf den Pulverweiden. Nur wenn der Wirt der "Goldenen Egge" zu Konzerten oder Tanzvergnügen einlud, kamen die Hallenser hierher, um sich ein paar Stunden zu entspannen. In dieser Zeit waren die Pulverweiden schon lange wichtig für bade-freudige Bewohner der Stadt geworden. Angefangen an diesem versteckt gelegenen Platz zu baden, hatten die Studenten. Dann entsteht eine "Halloren-Schwimm- und Bade-Anstalt", die sehr gern aufgesucht und von Halloren beaufsichtigt wird. Am 11. Juli 1868 gibt der hallesche Magistrat bekannt, dass er auf den Pulverweiden unmittelbar neben dem Hallorenbad einen besonderen "Armen-Badeplatz" eröffnet habe, "auf welchem alle männlichen Einwohner hiesiger Stadt, welche aus öffentlichen Fonds Unterstützung genießen, oder sonst nach ihrer Lebensstellung zur Zahl der Armen gehören, namentlich auch dürftige Arbeiter und Handwerker sowie arme Lehrlinge unentgeltlich zu baden berechtigt sind ..." Ein typisches Zeitbild aus den Jahren, in denen Halle begann, sich zur Industriestadt zu entwickeln. Erst nach den Befreiungs-Kriegen 1813/15, als die Hallenser ihre landschaftliche Umgebung wie die Heide und die Rabeninsel so recht zu entdecken begannen, ließ der damalige Bürgermeister Mellin die Pulverweiden parkähnlich gestalten. Das Gelände wurde entholzt und die schöne große Wiese angelegt, deren Gras-Nutzung der städtischen Kämmerei jährlich 800 Taler Pachtgeld brachte. Längs der Saale entstand eine Pappel-Allee, wie auch die verwachsenen Schlupf-Pfade zu festen Wegen ausgebaut wurden. Später kamen andere Bade-Anstalten hinzu, vor allem das Flora-Bad oberhalb der "Egge", das Militär-Bad sowie ein 1894 eingerichteres Damen-Bad. Der hallesche Verschönerungs-Verein ließ 1895/97 für 17 000 Mark gärtnerische Anlagen auf dem Wiesen-Gelände der Pulverweiden anlegen, während 1900/01 auf der Süd-Spitze sogar eine Eisbahn für Schlittschuh-Läufer Platz fand. Damals entstanden in dieser Gegend an der Saale, zum Teil direkt an die Pulverweiden-Anlagen grenzend, die städtische Gas-Anstalt (1889/91) und das städtische Elektrizitäts-Werk (1900/01).

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Die Würfelwiese

historische Ansicht der WürfelwieseDie Würfelwiese in unmittelbarer Nähe der Moritzburg öffnet von der Stadt her den Zugang zum Saaletal und wird deshalb gern aufgesucht. Dieses Auen-Gelände gehörte bis zur Reformationszeit dem nahen Kloster Neuwerk, dessen Mönche hier einen Kohl- und Küchen-Garten unterhielten. Die Kohlwiese, wie sie damals genannt wurde, kam 1532 in staatlichen Besitz und diente künftig der Gewinnung von Salpeter. Auf diesem Gelände lagerten im Juni 1547 die Truppen Kaiser Karls V., der als Sieger gegen den Schmalkaldischen Bund vom Schlacht-Feld bei Mühlberg nach Halle kam und hier für 12 Tage auf der Residenz am Dom Hof hielt. Im frühen 17. Jahrhundert zogen die Administratoren des Erzstifts, die bis zur Zerstörung. im Dreißigjährigen Krieg auf der Moritzburg residierten, die Kohlwiese in das Gelände der prächtig gestalteten Fürstengärten mit ein. Die Wiese war schließlich seit dem frühen 18. Jahrhundert Drill- und Übungs-Gelände des in Halle stationierten preußischen Regiments, dessen Chef der berüchtigte und verhasste Fürst Leopold von Anhalt-Dessau war. Die Soldaten wurden auf die preußischen Agressions-Kriege vorbereitet, die König Friedrich II. in seiner Regierung zwischen 1740 und 1786 führte. Alle Griffe und Übungen, wie der Gebrauch des eisernen Lade-Stocks und der Parade-Marsch, kamen hier erstmals zur Anwendung und charakterisieren den preußischen Drill. Unbekannt ist der Zeitpunkt, seitdem hier ein altes hallesches Volksfest, der sogenannte "Knoblauchsmittwoch", gefeiert wurde. Am Pfingstmittwoch eines jeden Jahres baute man Stände auf, die Esswaren und Tand anboten oder zu Glücks-, Würfel- und Los-Spielen einluden, so dass man bald von der "Würfelwiese" sprach. Bereits 1701 erschien in Halle die lateinische Abhandlung "De festo solemni crapulario Hallensi vulgo die Knoblauchsmittwoche". Während viele Forscher dieses Fest auf heidnische Frühlings-Feiern zurück führen, leitet es die Schrift aus der Existenz der halleschen Kalands-Brüderschaften ab, die schon im 13. Jahrhundert existierten. Sie vereinten sich an den jeweiligen Monats-Ersten zu Versammlungen und waren zu frommen Werken, besonders gegen Arme verpflichtet, stifteten Summen für die Seelen-Messen ihrer Verstorbenen und unterstützten sich gegenseitig.

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Der Mühlgraben Im 19. Jahrhundert wurde der Knoblauchsmittwoch schon am Pfingst-Fest begonnen, und groß und klein feierte mehrere Tage lang. Alles in allem war es ein freundliches Fest, über dessen spätere rigorose Abschaffung die Hallenser sicher nicht erfreut waren. Offiziell hieß es, man wolle die neuen Anlagen auf der Würfelwiese schonen. Aber es bleibt doch zu vermuten, dass man den einfachen Menschen dieses Fest bewusst versagen wollte. Denn schon in der Schrift von 1701 ist zu lesen: "Eine bemerkenswerte uralte Sitte hat sich in Halle behauptet, dass am Mittwoch nach Pfingsten alle Leute aus ihren Häusern kommen und die Handwerker und Menschen ähnlichen Standes Knoblauch essen und dabei überzeugt sind, dass, wer an diesem Tage diese Pflanze isst, das ganze Jahr über sich unversehrbarer Gesundheit erfreuen werde. Alle Straßen sind dabei an jenem Tage von scharfem Knoblauchgeruch erfüllt. Die Leute höheren Standes aber und diejenigen, die von dieser Ueberlieferung nichts halten, ziehen sich gemeinhin in die Gärten und Dörfer zurück." Jedenfalls erließ die städtische Polizeiverwaltung am 27. April 1870 ein Mandat, das die Abhaltung des sogenannten "Knoblauchmittwochs" auf der Würfelwiese für immer verbot. Der städtische Magistrat hatte zwei Jahre zuvor das Gelände erworben und dem halleschen Verschönerungs-Verein gestattet, Wege und Pflanzungen anzulegen. So entstand die schöne breite Baum-Allee, die direkt zur Dreierbrücke führte, von wo aus man am Tage gegen einen "Dreier" beim Schleusen-Meister den Zugang zur Ziegelwiese erlangen konnte. Bemerkenswert sind verschiedene Denkmäler auf der Würfelwiese. Das älteste steht heute in der Nähe des Schiffsaale-Ufers. Der Obelisk trägt die Inschrift "Den beim Kampf für deutsche Freiheit in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. und 19. Oktober 1813 verwundeten und hier verstorbenen tapferen Preußen und Russen." In der Tat befand sich hier ein Begräbnis-Feld, an das das "combinirte Maurergewerk zu Halle" erinnern wollte, als es diesen Stein am 3. August 1814 stiftete. Das Denkmal deutsch-russischer Waffen-Brüderschaft wurde 1963 erneuert und erlebte eine eindrucksvolle Gedenkstunde anlässlich des 150. Jahrestages der Völkerschlacht. Sehr versteckt steht heute ein kleiner Steinwürfel, der als Denkmal für den halleschen Bürger Carl Wilhelm le Veaux am 19. April 1808 von der Schützen-Gesellschaft aufgerichtet worden war. Später meißelte man die Inschrift ein "Er starb den 11. Juli 1817. sanft ruhe seine Asche." Am 11. April 1871 ließ der populäre Schriftsteller und Leiter der halleschen Turner-Feuerwehr Dr. Otto Ule (1820-1876) auf der Wiese am Mühlgraben drei Friedens-Eichen zum Gedenken des eben zu Ende gegangenen deutsch-französischen Krieges 1870/71 pflanzen, in deren Mitte genau ein Jahr später ein Gedenkstein gesetzt wurde. Der Granit-Stein trägt auf der einen Seite die Inschrift "Friedenseichen 1871/72" und auf der anderen "Gepflanzt von den Sängern, Schützen, Turnern am 11. April 1871". An der Haupt-Promenade befindet sich ein 2,35 Meter hoher Obelisk mit der Inschrift "Dem Andenken F. Fiebiger's - die Bürgerschaft". Der Stein wurde im Sommer 1885 zur Erinnerung an den Vorsitzenden des halleschen Verschönerungs-Vereins, Justizrat Fiebiger, aufgestellt, dessem Wirken die Stadt viele Grünanlagen verdankt.

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Die Peißnitzinsel

Planetarium auf der Peißnitz In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwarb der Rat der Stadt Halle aus wirtschafts-politischen Gründen in der Umgebung Grund-Besitz und Liegenschaften, nachdem seit der Phase der Stadt-Werdung derartiger Besitz hatte kaum vermehrt werden können. Der Rat hoffte, mit solchen Käufen sichere Kapital-Anlagen in die Hände zu bekommen oder bei landwirtschaftlichen Nutzobjekten durch Verpachtung Grundrenten zu erhalten, die höher als der übliche Zinssatz lagen und für den städtischen Finanz-Haushalt willkommene Einnahme-Posten versprachen. Schließlich war es möglich, aus eigenen Wäldern oder Steinbrüchen billigeres Baumaterial zu beziehen, das für die damals errichteten öffentlichen Gebäude dringend gebraucht wurde. Die Stadt Halle kaufte aus diesen ökonomischen Gründen im Laufe der Zeit die Saalwerder südlich des Vorwerks Gimritz (1499), die Pfingstwiese (1511), einen Kalksteinbruch in Benkendorf (1521), das Stoyenholz bei Wesmar (1532), das Lindbergholz in der Heide sowie das Breßenholz bei Slesien/Delitzsch (1544), einen Kalksteinbruch bei Lochau (1558), und das Wesenitzer Holz in der Elsteraue (1615). Die bedeutendsten Grundbesitz-Käufe waren jedoch das Vorwerk Gimritz im Jahre 1540, das alte Rittergut Domnitz im Saalkreis, dessen einzelne Höfe 1545 und 1568 zu Halle kamen und endlich die Rittergüter Ammendorf-Beesen (1593/94), eine der umfangreichsten landwirtschaftlichen Grund-Herrschaften im Südteil des Erzstifts.

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Gut Gimritz Gut Gimritz lag auf der südlichen Spitze der Peißnitzinsel, die sich in einer Länge von 2½ km zwischen der Schiffssaale und der Wilden Saale erstreckt. Auf der Insel entstand schon in slawischer Zeit ein Dorf, dessen Bewohner sich vom Fisch-Fang und von Vieh-Haltung ernährten. Die älteste Namensform lautet "Guministi", was mit "Platz, wo die Rinder Getreide treten" gedeutet werden kann, Die Witwe eines Grafen Rudolf schenkte den Ort mit vier Höfen und drei Hufen vor 1130 dem halleschen Kloster Neuwerk, das diesen Besitz wiederholt von den Erzbischöfen bestätigt erhielt. Die kleine Siedlung litt stark unter den regelmäßigen Hochwassern und wurde schließlich im 11 Jahrhundert wüst. Das Kloster dagegen ließ an der Schiffssaale, eine Mühle anlegen, die Bestand hatte. Die Wehr-Anlage richtete durch die Stauung des Stromes allerdings so großen Schaden in der Umgebung an, dass die südlich davon gelegene Niederlassung der deutschen Ordensritter (auf dem Gelände des alten Sophienhafens) Einspruch gegen den Betrieb der Mühle erhob und ihren Abbruch forderte. Im Jahre 1238 kam es zwar zu einem Vergleich, jedoch lebte der Streit immer wieder auf. Das Kloster Neuwerk behauptete mit Zähigkeit überall seinen Grundbesitz und rundete ihn hier 1462 durch den Erwerb der Wiesen auf der "Unterpeißnitz" und 1472 mir der wüsten Dorflage ab. So war auf der Insel ein stattliches Kloster-Vorwerk entstanden, das nach der Auflösung Neuwerks im Jahre 1530 an das "Neue Stift" überging, das alle diese Güter verwaltete. Von diesem Augenblick an war auch das Interesse des Rates der Stadt wach geworden, Gimritz für sich zu erwerben. Zunächst konnte das Vorwerk gepachtet, schließlich gekauft werden. In dem Erbpachtvertrag vom 19. April 1540 heißt es, dass das "Neue Stift" dem Rat "das Vorwerk Gimritz vor Halle, zwischen beyden Saal-Strohmen gelegen, sambt dem Vorrath und mit der Schäferey, auch mit samt der Mühlen, die nach ihrer Gelegenheit anzurichten, auch mit samt der Mühlfischerey im Knick und Gerinne auch allen anderen Zugehörungen an Äckern, Wiese, Holz und Weidenwachs ... um einen jährlichen und ewigen Erbzins vererbet und vereignet haben." Der Käufer musste sich ausdrücklich verpflichten, aus dem Vorwerk keine Festung zu machen und keine "steinerne Kemnaten oder Bollwerk, noch andere gefährliche Gebäude" dort zu errichten. Dagegen hatte der neue Besitzer dem Erzbischof in Kriegs-Zeiten Heerfolge zu leisten und zu diesem Zweck einen Wagen mit Geschirr auszustatten. Auch die Gerichts- und Weide-Grenzen für das Gut Gimritz legte der Vertrag genau fest, sowie, dass hier nicht mehr als 1000 Schafe gehalten werden durften. Der jährliche Erbzins, der am Martinitag gezahlt werden musste, betrug 150 Gulden.

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Auwald an der Saale Das Besitztum erlebte in der Folge wechselvolle Schicksale, insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges, wo viel Gutsgelände in Mitleidenschaft gezogen wurde. Trotzdem konnte die Stadt Halle das Gut mit seiner Schäferei, dem Mühlkomplex, Äckern und Wiesen bis zum Jahre 1821 halten. Erst zu diesem Zeitpunkt musste Gut Gimritz mit seiner Mühle, dem Wald und allem Zubehör von der Stadt Halle für 22 530 Taler in Privat-Hand veräußert werden, um die hohen, aus den Befreiungs-Kriegen 1813/15 stammenden Schulden wenigstens teilweise abdecken zu können. Nutznießer war der reiche Groß-Grundbesitzer Bartels, der Pächter der Domäne Giebichenstein. Allerdings kam die Diskussion um die Zweckmäßigkeit dieses Verkaufs nie zur Ruhe, da der Wert des Besitzes für die Bewohner Halles zu offen auf der Hand lag. Der neue Besitzer, Amrsrat Bartels, ließ die Peißnitzinsel samt Gimritz in seinem Sinne umgestalten. Um 1840 entstanden die teilweise heute noch erhaltenen künstlichen Ruinen, das Felsentor und Grotten sowie zahlreiche Wege durch das ganze Gelände. Die Stadt Halle musste rund 67 Jahre warten, ehe es ihr möglich wurde, den alten Besitz wieder zurück zu erwerben. Am 15. Mai 1888 genehmigten die halleschen Stadtverordneten den Antrag des Magistrats, für 1 125 000 Mark den Gutsbezirk von der Familie Bartels zu kaufen, obwohl zunächst nur an den Kauf des Wald-Gebietes gedacht worden war. Der Magistrat ging sofort daran, die gesamte Insel der Großstadt-Bevölkerung zu erschließen. Schon 1892/93 entstand das große Gesellschaftshaus (heute leer stehend) und 1899 die Peißnitz-Brücke, deren Benutzung allerdings Brücken-Geld kostete. Gimritz hat als städtisches Gut in der Folge schwere Zeiten durchgemacht. Aber trotz des mannigfachen Nutzungs-Wechsels nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes blieb der Gutspark Gimritz ein Kleinod. Hier begann 1980 der interessante Natur-Lehr-Pfad "Hallesches Saaletal". Die Peißnitz-Insel bildet den Mittelpunkt des ehemaligen Kulturparkes "Saaleaue", von dem jetzt noch die Freilicht-Bühne, die Kinder-Eisenbahn, das Planetarium und die Eissporthalle existieren.

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Die Ziegelwiese

Fontänenteich auf der Ziegelwiese 
 © Foto: H. Fechner Zu den besuchtesten Partien der Saaleaue gehört seit der gelungenen Umgestaltung die Ziegelwiese. Der künstlich angelegte See mit der Fontänen-Anlage, deren 40 Meter hoher Wasserstrahl weithin sichtbar ist, dominiert den Ost-Zugang der Saaleaue. Die Geschichte der Ziegelwiese reicht weit zurück. Im Stiftungs-Privileg vom 5. Juli 1121 wurde sie von Erzbischof Rüdiger dem Kloster Neuwerk zugesprochen. Dieses Kloster, auf der Höhe des heutigen Botanischen Gartens über der Saale gelegen, benutzte diese Insel als Gras-Weide für das Kloster-Vieh. "Großer Werder" hieß dieses abgelegene Weideland damals. An der östlichen Seite, wo der Mühlgraben entlang floss, waren Weingärten. 1530 löste Kardinal Albrecht das mächtige und einfluss-reiche Kloster Neuwerk auf und ließ die Kirche und andere Bauten abreißen. Der umfangreiche Landbesitz und damit auch der Werder wurden durch das Neue Stift verwaltet. Aber schon 1532 beanspruchte der Kirchen-Fürst das reizvolle Saale-Gelände bis zur Moritzburg hin wieder für seine Zwecke. Nach der Reformation, die mit dem Abzug Kardinal Albrechts begann, kam der Werder schließlich zum Amt Giebichenstein. Im 17. Jahrhundert benutzten die Administratoren des Erzstifts diese Wiese als Festplatz. Besonders der Prunk liebende Herzog August von Sachsen veranstaltete hier manches Schauspiel. So heißt es in der "Halygraphia", der halleschen Stadt-Chronik von Olearius, unter dem 4. Juli 1667: "Abend um 10 Uhr/sind wegen der Fürstlichen Gemahlin Geburts Tages/Aufzuege: Ballett und Feuerwerck im Werder bey der Stein Mühlen praesentiret worden." Nach 1680, in brandenburgisch-preußischer Zeit, setzte dann wieder eine intensive wirtschaftliche Nutzung ein. Das Amt Giebichenstein errichtete in der Nähe des Kirchtores eine große Ziegelei, die den benötigten Lehm zum Ziegel Brennen vom Werder holte. Zugang von der Stadt bestand später so gut wie gar nicht. Wer von der Würfelwiese an der Moritzburg über die Brücke zur Ziegelwiese wollte, musste dem Schleusen-Meister bis 1868 einen Dreier entrichten, weshalb der kleine Übergang auch die "Dreierbrücke" genannt wurde. Vor hundert Jahren kümmerte sich schließlich der hallesche Verschönerungs-Verein um die Ziegelwiese und ließ an den Wegrändern Bäume als Schatten-Spender anpflanzen. Viele gärtnerische Bemühungen hatte es um die Ziegelwiese gegeben, bis dann die Stadt Halle endlich 1911 das ganze Gelände als Eigentum erwerben konnte. Die Ziegelwiese selbst war damals aber auch schon für den Sport entdeckt worden. Im Spät-Herbst setzte man die Nord-Hälfte der Wiese unter Wasser, um Sie mit einsetzendem Winter als Eisbahn nutzen zu können. Generationen von Hallensern haben hier das Schlittschuh Laufen gelernt! Auch der berühmte Schauspieler und Schriftsteller Curt Goetz, der bis 1906 am Stadt-Gymnasium Schüler war, hat in seinen humorvollen Lebens-Erinnerungen festgehalten, wie gern er die Nachmittags-Stunden beim Schlittschuh Laufen auf der Ziegelwiese verbrachte, wobei er mit seiner Herz-Allerliebsten in riesigen Kurven über die spiegelglatte Fläche raste. Die Ziegelwiese bildet heute einen erholsamen Abschnitt der "Saaleaue", wo der große Fontänen-Teich zum Verweilen einlädt und wo sich Sport-Anlagen der halleschen Universität befinden.

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Die Klausberge

Die Klausberge über der Saale Die Klausberge gehören zu den malerischsten Gelände-Kuppen des halleschen Saaletales, die ihre Entstehung vulkanischen Ausbrüchen von flüssigen Quarzporphyr-Massen im untern Perm vor 250 Millionen Jahren verdanken. Den Namen erhielt das Porphyr-Gelände von einer Einsiedelei oder Klause, die der Überlieferung nach im Jahre 1216 von einem Bruder des Ordens der Serviten oder Marienknechte angelegt worden war und hier bis 1306 bestand. Eine Gedenktafel an einem Fels über der Jahnshöhle erinnert daran, dass hier einst Turnvater Friedrich Ludwig Jahn sich versteckt hielt. Er lebte als Student 1798/99 in Halle und war in harte Gegnerschaft zu den reaktionären Studenten-Verbindungen geraten, die ihn unnachsichtig verfolgten. Nach eigenen Erzählungen arbeitete er in seinem Höhlen-Versteck und las viele Bücher. Auf der Höhe der Klausberge, von wo aus man den schönsten Blick über das Saaletal bei Halle genießen kann, steht ein Eichendorff-Denkmal. Es erinnert an den Aufenthalt des romantischen Dichters als Student in Halle während der Jahre 1805/06. Er gehört zu den tief beeindruckten Schilderern dieser Landschaft und hat bei einem späteren Besuch dieser Jugend-Stätte zur Erinnerung das Gedicht "Bei Halle" geschrieben, dessen Verse im Obelisk eingemeißelt sind:

 Eichendorff-Denkmal auf den Klausbergen 
 © MZ-Foto: G. Bauer



Da steht eine Burg überm Tale
und schaut in den Strom hinein
das ist die fröhliche Saale,
das ist der Giebichenstein.
Da hab' ich so oft gestanden,
es blühten Täler und Höh'n,
und seitdem in allen Landen
sah ich nimmer die Welt so schön.

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Der Forstwerder

Die Saale am ForstwerderIn dem großen Grün-Gürtel längs der Saale spielt der Forstwerder, auf alten Karten oft Saalwerder genannt, als Naherholungs-Gebiet für das nördliche Halle eine wichtige Rolle. Die langgestreckte Wald-Insel zwischen den Saale-Armen, durchschnitten vom Schleusengraben, liegt dem Ortskern von Trotha gegenüber, dessen Einwohner sich in Kriegs- und Not-Zeiten hier oft genug in Sicherheit gebracht haben werden. Das Areal gehörte ursprünglich wohl den Feudal-Herren des Ritter-Gutes Trotha, kam im Jahre 1455 dann aber an das reiche Augustiner-Kloster Neuwerk, um schließlich nach dessen Auflösung zum staatlichen Amt Giebichenstein zu kommen. Die Pacht-Erträgnisse waren nicht unerheblich, denn der Forstwerder diente als Jagd-Gelände, besaß ausgedehnte Wiesen, Obstbäume und Weiden, deren Nutzung vergeben wurde. Um 1790 tauchte zum ersten Male der Plan auf, den Werder durch gärtnerische Anlagen zu verschönern. Damals besaß der hallesche Postmeister Wilhelm von Madeweis ein Gut in Trotha und wollte die gegenüber liegende Insel kaufen und in dieser Weise nutzen. Sein Plan zerschlug sich, doch bald entstanden in der reizvollen Saale-Landschaft andere Gärten, wie die von Reichardt, Reil und Düffer. Die eigentlichen Entdecker der abseits gelegenen Insel waren jedoch die Studenten der 1694 gegründeten Universität Halle, die hier streng verbotene Duelle und Mensuren austrugen oder spazieren gingen. In den 1794 erschienenen "Briefen zur näheren Kenntnis von Halle" wird der Forstwerder als Ausflugs-Ort erwähnt, den die Bewohner und Studenten das "Elysium" nennen. Im Sommer 1927 bekam der Norden Halles am Forstwerder sein erstes städtisches Freibad. Weil es nur umständlich zu erreichen war, erhielt die Insel endlich einen Brücken-Zugang in Gestalt eines Eisenbeton-Bogens mit einer Spann-Weite von 47 Metern, der sich wirkungsvoll in das Landschafts-Bild am Trothaer Wehr einfügt.

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Der Text über die Geschichte der Saale entstammt dem von einem Autoren-Kollektiv verfassten und von der Stadt Halle 1982 herausgegebenen Heft "Das Saaletal in Halle - Geschichte und Gegenwart"

Die Abb. Veränderungen im Fluss-Lauf war ursprünglich eine Schwarz-Weiß-Zeichnung aus diesem Heft.

Die Texte über die Erholungs-Gebiete im Saaletal - nach: Dr. Werner Piechocki "Stadtführer Halle (Saale)", Kapitel 4, Naherholungsgebiete, Halle 1985.
Der Autor war von 1951 bis 1994 Leiter des Halleschen Stadtarchivs.

Die beiden historischen Darstellungen Pulverweiden und Würfelwiese - Stadtarchiv.

Die Farb-Fotos vom halleschen Saaletal entstammen dem
      "Rad- und Wander-Stadtplan Halle (Saale)",
einem von Stadt-Planung und Stadt-Vermessung erarbeiteten Wander-Führer, der in keinem Haushalt in Halle und Umgebung fehlen sollte. Er enthält einen ausgezeichneten Stadt-Plan mit Infos für Radfahrer und ein 96-seitiges Beiheft mit Straßen-Verzeichnis, Touren-Vorschlägen und vielen interessanten Hinweisen zur Stadt Halle.
Karte und Beiheft sind in Halle erarbeitet und gedruckt worden.