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Pferdebahn + Tw Halle(S)
Lindner + Gotha Tram -
Tatra mehr als
Niederflur 130 Jahre








Die Rote und die Grüne

Am 15. Oktober 1882 wurde die erste Pferde-Straßenbahn-Gesellschaft in Halle in Betrieb genommen. Die "Hallesche Straßenbahn AG" hieß - nach der Lackierung ihrer Wagen - im Volksmund die "Rote Bahn". Die zweite Pferdebahngesellschaft, die "Stadtbahn Halle", nahm 1889 ihren Betrieb auf und erhielt den Beinamen die "Grüne Bahn".
Diese zweite Gesellschaft wurde 1890 von der AEG erworben, um sie für den elektrischen Betrieb nach dem Spragueschen System auszubauen. F. Sprague hatte 1887 in Richmond (USA) das erste elektrische Straßenbahnnetz der Welt aufgebaut. Die AEG kaufte seine Patente und begann damit in Halle die Elektrifizierung des ersten Straßenbahnnetzes in Europa.
Am 24. April 1891 fuhr die erste elektrische Straßenbahn in Halle zwischen Roßplatz und Schmiedstraße mit Oberleitung. Bereits am 22. Juni hatte die AEG das gesamte Streckennetz der "AEG-Stadtbahn Halle" elektrifiziert. Und das zu einer Zeit, in der die praktische Nutzung der Elektrizität noch wenig bekannt war. Dem weitsichtigen Stadtverordneten Wilhelm von Holly und dem halleschen Oberbürgermeister Staude ist es zu danken, daß Halle Ausgangspunkt für die weitere Elektrifizierung der europäischen Straßenbahnen wurde. Mit der elektrischen Straßenbahn begann auch der Strom seinen Siegeszug in die Haushalte.

© HAVAG

Modell grün

Die "Hallesche Straßenbahn AG" hatte nach der Elektrifizierung der "AEG-Stadtbahn Halle" Einbußen in ihren Fahrgastzahlen zu beklagen. Doch das in Halle ansässige physikalische Institut bekämpfte lange die Elektrifizierung der zweiten Straßenbahn. Befürchteten seine Leiter doch, daß "der von den Schienen entweichende Rückstrom die feinen magnetischen Instrumente des Institutes" beeinträchtigen würde. Aber der technische Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. 1899 wurde in der Seebener Straße ein neues Depot und ein Kraftwerk errichtet und damit die "Rote Bahn" auch elektrifiziert.
Die Stadt Halle kaufte 1911 die "Hallesche Straßenbahn AG" und 1917 die "AEG-Stadtbahn Halle". Am 1. Januar 1918 wurden beide Bahnen zur "Städtischen Straßenbahn Halle" vereinigt.
Ein großer Teil des Fahrzeugparks stammte übrigens aus der Produktion der Firma Lindner in Halle-Ammendorf.


Modell rot
Die Überlandbahnen

Neben der Straßenbahn in Halle richtete die AEG noch zwei Überlandbahn-Gesellschaften ein. 1899 erwarb sie die Konzession für die "Elektrische Straßenbahn Halle - Merseburg", die 1902 eröffnet wurde. Die Strecke begann in Halle am Riebeckplatz und führte auf der Chaussee über Ammendorf und Schkopau nach Merseburg. Sie wurde 1918 von der "Merseburger Überlandbahnen-AG" gepachtet und ging 1932 in dieser auf.
Die "Merseburger Überlandbahnen-AG" wurde 1913 gemeinsam von der AEG und der "Disconto-Gesellschaft Berlin" als viertes Unternehmen im Raum Halle gegründet. Der 1. Weltkrieg verzögerte die Betriebsaufnahme auf der Strecke Merseburg - Mücheln durch das Geiseltal bis 1918. Komplizierte Verhandlungen mit Merseburg und den Gemeinden führten dazu, daß keine durchgehende Verbindung von der Provinzstadt Halle über den Sitz des Regierungsbezirkes in Merseburg nach den Provinzorten im Geiseltal geschaffen werden durfte. Die Schaffung von zwei Überlandbahnen hatte formalen Charakter. 1919 wurde die Zweigstrecke nach Leuna ausgebaut, die 1926 Bad Dürrenberg erreichte.
In den 20er Jahren bestanden Projekte zum Ausbau der Überlandbahn nach Schkeuditz, Lützen, Weißenfels und Schafstädt, die aber alle nicht realisiert wurden. Erst 1926 wurde in Merseburg an der Hölle ein Gemeinschaftsbahnhof für beide Überlandbahnen errichtet, und ab 1932 durften endlich Wagen von Halle kommend über Merseburg hinaus nach Leuna fahren. 1951 wurde die Überlandbahn mit der "Städtischen Straßenbahn Halle" vereinigt.

Eine Straßenbahn in Halle

Bei der "Städtischen Straßenbahn Halle", die ab 1918 die beiden halleschen Straßenbahngesellschaften vereinigte, wurden nach dem 1. Weltkrieg zahlreiche Streckenausbauten vorgenommen. 1929 erhielt sie den neuen Namen "Werke der Stadt Halle-AG (WEHAG), Abteilung Straßenbahn". Während des zweiten Weltkrieges wurde der Straßenbahnbetrieb vom 14. April bis 16. Mai 1945 vollständig eingestellt. Das gesamte Gleisnetz war erst am 21. April 1946 wieder befahrbar.
Am 1. Juli 1951 erfolgte der Zusammenschluß mit der "Merseburger Überlandbahnen­AG", und am 1. März 1957 erhielt der Betrieb den Namen "VE Verkehrsbetriebe Halle".
Da der Kohlebergbau zum Abriß der Gemeinden im Geiseltal führte, machte sich der Abbau der Strecke Frankleben - Mücheln erforderlich. Ausgebaut wurde die Strecke nach Bad Dürrenberg. Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre zwang der Personalmangel zur Rationalisierung der Fahrgastabfertigung. 1957 verkehrten deshalb die Triebwagen ohne Schaffner. 1963 tauchte die Zahlbox auf, und Schaffner gab es nur noch auf den Überlandstrecken.
Die ersten Tatra-Straßenbahnen aus Prag kamen 1969 zum Einsatz in Halle und lösten in den Folgejahren alle älteren Straßenbahntypen ab. Mit der Eröffnung der Linie 5 von Trotha nach Bad Dürrenberg wurde am 4. Dezember 1971 die längste Straßenbahnlinie der DDR in Betrieb genommen. Mit 30,7 Kilometern ist sie noch heute eine der längsten Linien Deutschlands, endet nun jedoch nicht mehr in Trotha, sondern in der Heide.


Modell rot-gelb


Die Hallesche Verkehrs-Aktiengesellschaft

Es ist soweit:
Tram-Express zum Hbf.

Mit dem Beitritt vollzogen sich auch tiefgreifende Veränderungen bei den halleschen Verkehrsbetrieben. Bereits am 1. Juli 1990 wurde das Unternehmen als "Hallesche Verkehrs-Aktiengesellschaft" (HAVAG) in das Handelsregister eingetragen. Die HAVAG übernahm auch den gesamten Omnibusverkehr in der Stadt Halle.
Am 1. Februar 1991 erfolgte die Einführung neuer Tarife bei der HAVAG, die den bis dahin gültigen 15-Pfennig-Tarif von 1944 ablösten...

Tipps & Tricks zum Leben mit der HAVAG erhalten Sie hier.

© Emch+Berger, Halle

 

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© Text: nach einer Veröffentlichung im HAVAG-Fahrplan von 1991

Foto: Emch + Berger GmbH, Regionalzentrum Halle

Abb. unter Verwendung einer Darstellung im Fahrplan der Verkehrsbetriebe Halle von 1982.