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Lothar Lang:
Caspar David Friedrich -
der bedeutendste Maler der deutschen Romantik.

 

C.D.Friedrich, © infopediaGeht, und schaut euch in Dresden seine Bilder an! So bedeutende Zeitgenossen wie Goethe, Brentano, Kleist und Körner haben Kluges über den Maler und sein Werk gesagt, Widersprüchliches auch, erfreulicherweise.

Friedrich - das ist eine Bildwelt mit weiten Ausblicken ins Land, mit knorrigen, vom Winde zerzausten Bäumen, mit Ruinen am Berg oder im dunklen Tann, mit Schiffen im Hafen, mit schweigenden Wäldern, das sind böhmische und sächsische Landschaften, die Wiesen um Greifswald, die Ostseeküste: das ist eine Malerei, in der die Natur zum Sinnbild menschlichen Daseins geworden ist. Vielleicht macht dieses Gleichnishafte überhaupt den unnachahmlichen Reiz der kostbaren Gemälde aus? Der heutige Betrachter empfindet Friedrichs Bilder ja ohnehin nicht nur als schöne Malerei, er genießt nicht bloß den dünnen, lasierenden Farbauftrag und die sich der Monochromie zwischen Braun, Grau und Grün nähernde Palette, er sucht das Rätselhafte zu ergründen und zu begreifen. Und da wird deutlich, daß dieser Maler ein Grübler war, ein Deuter, dem die Natur oft genug den Vorwand bot, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken.

BILD VERGRÖSSERNAuf den ersten Blick sind diese Bilder vielleicht nur schöne Landschaften. Aber nach längerem Betrachten stellen sich Fragen ein. Was bedeutet das alles? Und da muß man wissen, daß viele dieser Bildelemente Sinnzeichen sind: Die Ruine, mit dem Todesgedanken verbunden, ist ein Zeichen der Vergänglichkeit; der belaubte Baum steht für die Lebenskraft und der Felsen für den Glauben; Fichten versinnbildlichen die Hoffnung auf ein ewiges Leben, können aber auch als Symbol eines patriotischen Vertrauens auf Befreiung vom napoleonischen Joch ("Grabmale alter Helden") verstanden werden. In vielen Bildern geht es um die übereinstimmung des Menschen mit der Natur, um den Ausdruck einer Sehnsucht nach der unendlichen Harmonie.
Friedrich (1774-1840), gebürtiger Greifswalder, zumeist in Dresden lebend, befreundet mit den bedeutenden Geistern seiner Zeit - mit Körner, Runge, Tieck, mit Kleist, Kersting, Clausen-Dahl und Carus - und ausgezeichnet durch einen Besuch, den ihm Goethe abstattet, wurde von vielen bewundert, war umstritten, nur wenig verstanden - ihm galt nur das Werk, auf das er sich in mönchischer Zurückgezogenheit konzentrierte.

Dennoch war er ein überzeugter Patriot, der in der Kunst für die Freiheit seiner Heimat eintrat. Sein Gemälde "Chasseur im Walde" ist nicht zu Unrecht als ein Gleichnis auf den Untergang Napoleons verstanden worden. Aber hauptsächlich hat seine gedankenreiche Kunst dazu beigetragen, das Naturgefühl zu erweitern und zu vertiefen, zugleich erweist sie sich, heute mehr als ehedem, als ein wesentlicher Beitrag zur Ausbildung einer realistischen Landschaftsmalerei, die freilich selbst auch nicht voraussetzungslos entstanden ist, sondern Anregungen empfing durch J. A. Koch, Philipp Otto Runge und durch bestimmte Bilder von Claude Lorrain, Ruysdael und Van Everdingen, die in der Dresdner Galerie zugänglich waren.

Das Werk Friedrichs ist durch Reproduktionen weithin in das Bewußtsein der Menschen gedrungen, viele seiner Werke erfreuen sich wegen ihrer malerischen Feinheiten und durch den stimmungshaften Charakter der Naturdarstellung großer Beliebtheit, und dennoch ist dies Werk noch weithin unerschlossen, in seiner Widersprüchlichkeit noch lange nicht ergründet.


5.9.1774
geboren in Greifswald
1794-98 Studium in Kopenhagen
1798 Übersiedlung nach Dresden
1801/02 Erste Reisen nach Rügen
1807/08 Reisen nach Nordböhmen
1810 Riesengebirgswanderung
1811 Harzwanderung; Reise nach Island
1816 Ernennung zum Mitglied der Kunstakademie
1818 Reisen nach Stralsund, Greifswald, Rügen;
"Der Wanderer über dem Nebelmeer"
um 1820 "Kreidefelsen auf Rügen"
1823 "Mondaufgang am Meer"; "Das Eismeer"
ab 1826 Verschlechterung des Gesundheitszustandes
1835 Schlaganfall, Weiterarbeit unmöglich
7.5.1840 gestorben in Dresden

 

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© Das Foto des beschriebenen Bildes stammt aus einem Werbefaltblatt des Verlages der Kunst für die Fundus-Reihe.

Der Autor: Lothar Lang ist mir bekannt als Verfasser vieler kunstkritischer Beiträge für die Wochenschrift "Die Weltbühne". Der obige Artikel stammt aus dem "Magazin".

Lebensdaten des Malers: Harenberg Kompaktlexikon