H. M. Mühlenberg


Heinrich Melchior Mühlenberg gehörte zu den Mitstreitern Franckes, von diesem ausgesandt, um in Pennsylvania die Gemeinde der deutschen Lutheraner neu zu organisieren. Mit Erfolg. Die Amerikaner verehren den einstigen Hallenser bis heute als Patriarchen ihrer Kirche. Er war einer der erfolgreichsten Emissäre Franckes. Mühlenberg hat in Amerika den gleichen Stellenwert, wie hierzulande Luther. Während der Pietist den meisten Hallensern kein Begriff ist, wandeln viele Amerikaner ganz bewusst auf den Spuren ihres Kirchenpatriarchen und kommen nach Wartburg und Wittenberg stets auch in die Stadt Halle, um den Franckeschen Stiftungen als einstiger Wirkungsstätte Mühlenbergs einen Besuch abzustatten. Übrigens: einer seiner Söhne ist Frederick Augustus Mühlenberg, dessen Todestag sich im Jahre 2001 zum 200. Mal jährte. Als Präsident des amerikanischen Repräsentantenhauses zählte er zu den Unterzeichnern der "Bill of Rights", eines Verfassungszusatzes, in dem die Grundrechte der Bürger niedergeschrieben sind. Der zweite Sohn Mühlenbergs, John Peter Gabriel, spielte eine wichtige Rolle im Unabhängigkeitskampf. Beide Söhne gingen in jungen Jahren in den Franckeschen Stiftungen zur Schule, denn Vater Mühlenberg hatte seine Söhne ganz bewusst zur Ausbildung nach Halle geschickt.

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E. Neutsch


Ein leidenschaftlicher Sammler ist Erik Neutsch. Freilich sammelt er Geschichten. Der 1931 in Schönebeck geborene gelernte Journalist gehörte zu den bekanntesten Erzählern der DDR. Neben historischen Romanen wie denen über Forster und Grünewald, waren es vor allem dicke Bände voll sozialistischem Realismus die der Hallenser hervorbrachte. Sein Erfolgsroman "Spur der Steine" war in der Filmfassung ein echter DDR-Skandal, weswegen der einst verbotene Streifen heute ein Renner ist.

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J. Reichhardt


Der gebürtige Ostpreuße Johann Friedrich Reichardt (1752-1814) war bei weitem nicht nur Komponist, sondern auch Schriftsteller, Dichter, Maler, Gärtner, Wanderer und freiheitlich-republikanisch gesinnter Journalist. Nach Halle kam er 1794 - nachdem er in ganz Europa herumgereist und am preußischen Hofe wegen seiner Sympathie für die französische Revolution als Kapellmeister entlassen worden war. Er hatte das Kästnersche Kossätengut angekauft, das sich als Reichardts Garten bald zur Herberge der Romantik entwickelte. Arnim, Brentano, die Brüder Grimm, Jean Paul, Novalis und natürlich auch Goethe gaben sich bei Reichardt die Klinke in die Hand. Der wurde 1796 "begnadigt", zum Saline-Direktor ernannt und starb 1814 im Ortsteil Giebichenstein. Reichardts Grab befindet sich neben der Bartholomäus-Kirche, ganz in der Nähe seines früheren Gartengeländes.

Vielen Dank für die Korrektur an den Musik-Student Matteo Roberti aus Italien.

Vielen Dank für die Korrektur an den Nachkommen Helmut Reichardt aus Potsdam.


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J. Reil


In der Nähe vom halleschen Zoo liegt Johann Christian Reil (1759-1813) begraben. Der Mediziner war ein vielseitiger Mann. In Halle war er Professor und Stadtphysikus, bevor er in Berlin die berühmte "Charité" gründete. Die Stadt verdankt Reil aber auch Kulturelles. So gründete er hier das erste öffentliche Theater, das 1811 mit Goethes "Prolog für Halle" eröffnet wurde. Als Reils fachliche Verdienste gelten Reformen in der Ärzte-Ausbildung und seine Schriften zum "Militärsanitäts­Wesen", derentwegen er später als einer der Pioniere des Roten Kreuzes galt.

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C. A. Riebeck


Einer der wichtigsten - sicher aber der bekannteste - der halleschen Wirtschafts-Pioniere war Carl Adolph Riebeck (1821-1883). Der Industrielle, der vor allem mit der Braunkohlen-Schwelerei groß wurde, gab zur Blütezeit seiner Unternehmen über 3000 Beschäftigten Arbeit. Dabei hat der in Halle hoch geehrte Riebeck von den vielen erfolgreichen Unternehmern der frühen Gründerzeit wohl die interessanteste Biografie: "Vom Revolutionär zum Multimillionär", so wurde sein Weg beschrieben. Einigen seiner Ideale aus dem Revolutionsjahr 1848 ist Riebeck übrigens treu geblieben. So hat er auf sozialem Gebiet viel Vorbildliches für Halle geleistet.

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R. Rive


Das waren noch Zeiten, als der Titel Oberbürgermeister vom Kaiser verliehen wurde. Richard Robert Rive (1864-1947) ereilte diese Ehre nach zweijähriger Amtszeit und zehn Jahre vor dem Ende der deutschen Monarchie. In Neapel geboren, wuchs Rive in Breslau auf, heiratete die Tochter des Berliner Oberbürgermeisters und wurde als Verwaltungsfachmann auf den Chefsessel des halleschen Rathauses gewählt. Rive krempelte die Verwaltung entsprechend den Anforderungen der sprunghaft gewachsenen Industriestadt um. Halle verdankt vor allem auch ihm Errungenschaften wie den Aufbau leistungsfähiger Stadtwerke. Wegen seiner Förderung der Kultur wurde Rive - nach dem Halles schönstes Saale-Ufer benannt ist - Kunst-Bürgermeister genannt.

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S. Scheidt


Nimmt man Händel aus, dann war Samuel Scheidt (1587-1654) wohl der bedeutendste Komponist der halleschen Musikgeschichte. Er wurde hier geboren, lebte, wirkte und starb hier - nur eine kurze Zeit verbrachte er 1607 in Amsterdam. Schon 1603 wurde Scheidt Organist der Moritzkirche und 1619 Hofkapellmeister. Viel änderte sich durch den 30-jährigen Krieg: Scheidt musste als "Direktor Musices" das Musikleben ab 1628 wieder aufbauen und die wechselnde Besetzung Halles ebenso ertragen wie die Pest. Scheidt hat - nicht nur für die Kirche - viele große Werke komponiert. Am bekanntesten ist wohl die dreibändige "Tabulatura nova" (1624), ein bahnbrechendes Lehrwerk für Tasteninstrumente.

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C. Schwetschke


Viel Schriftliches hat uns Carl August Schwetschke (1756-1839) hinterlassen. Der in Glaucha geborene Kaufmanns-Sohn übernahm nach Auslandsaufenthalten die Hemmersche Verlagsbuchhandlung in Halle und war bald einer der angesehensten Verleger Deutschlands. Als solcher brachte er eine Reform des Autorenrechts mit auf den Weg, das das verbreitete Unwesen des Nachdrucks zu unterbinden half. Doch Schwetschkes Wirken ging weit über den Literaturbetrieb hinaus. Er brachte es bis in den Stadtrat und war an einer sehr weitsichtigen Neugründung, der der halleschen Sparkasse, beteiligt.

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Willi Sitte


Mit dem Zusatz "DDR" wird der Name eines halleschen Künstlers oft auch heute noch versehen. Willi Sitte (geboren 1921) galt sowohl für seine Bewunderer als auch für Kritiker und Neider als "Staatskünstler". Dass der vielleicht wichtigste Vertreter des "Sozialistischen Realismus" dabei - anders als die meisten seiner Kollegen - auch international gefragt war, kommt ihm heute zugute. Sitte stellt erfolgreich im Westen aus und betreibt in Halle - sich selber treu - eine "Realismus-Galerie".

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Schleiermacher


Der bekannte Spruch "alle richtigen Berliner kommen aus Breslau" träfe haargenau auch auf Friedrich Schleiermacher (1768-1834) zu - wenn da nicht die für ihn so wichtige Zeit in Halle gewesen wäre. Hier hat der große Theologe und Philosoph studiert und stieg zum Professor und Universitätspfarrer auf, bevor er in Berlin die neue Universität zu gründen half. Schleiermacher, der in der Großen Märkerstraße wohnte, hat nicht nur für das Denken seiner Zeit Entscheidendes geleistet. Er gehörte zu jenen, die sich besonders für die Union zwischen Reformierten und Lutheranern einsetzte, die in unserer Gegend noch heute die gültige Form der evangelischen Kirche ist. Für die Theologie entwickelte er mit der "Hermeneutik" eine von da an grundlegende Methode des Verstehens. Außerdem stammt von Schleiermacher eine der klassischen Definitionen von Religion, die er als "das Gefühl der schlechthinigen Abhängigkeit" beschrieb.

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L. von Thüringen


Ein Gast Halles gilt als frühester namentlicher Zeuge der Stadtgeschichte: Ludwig Landgraf von Thüringen (1056-1123) - besser bekannt als Ludwig der Springer - war nicht ganz freiwillig Besucher der Burg Giebichenstein. Ob nun "um fremder Liebe willen in große Not geraten", wie es in der uralten "Düringischen Chronik" heißt, oder wegen Mordes - auf jeden Fall saß Ludwig auf der Burg im Kerker. Doch im Verlaufe seiner Inhaftierung wuchs in dem Gründer der Wartburg der Freiheitsdrang. Und der verlieh ihm - wenn man so will - Flügel. Mit einem kräftigen und mutigen Sprung soll er sich in die Saale gerettet haben. Dass der Springer dabei nicht nur tief nach unten sondern auch weit nach vorn gesprungen sein muss, darüber darf sich der Kenner des Saale-Ufers noch heute wundern.

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Graf Struensee


Johann Friedrich Graf von Struensee (1737-1772) darf mit Fug und Recht als der hallesche Rasputin bezeichnet werden. Aufgewachsen im Pfarrhaus der Moritzkirche, brachte er es außer Landes sehr weit: erst zum Staatsminister in Dänemark und dann offensichtlich auch weit in der Gunst der dortigen Königin. Man weiß nicht, ob es mehr an seinem zu reformerischen Wirken oder an seinen zu intimen Beziehungen zur Monarchen-Gattin lag, dass Struensee in der Fremde unterm Fallbeil endete. Besagtes Beil gehört übrigens zu den spektakulärsten Exponaten des Stadtmuseums.

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Paul Thiersch


Die Frage, was die Kulturstadt Halle ohne ihre Kunsthochschule wäre, ist schnell beantwortet - was die "Burg" ohne Paul Thiersch (1879-1928) geworden wäre, wohl auch. Mit dem Namen des langjährigen Direktors der Kunstgewerbeschule - die zunächst Handwerkerschule hieß - war der Aufstieg dieser Einrichtung zu einem der namhaftesten Bildungsintstitute Deutschlands in Sachen Kunst verbunden. Thiersch ließ es aber nicht bei der Förderung der Schule bewenden, sondern machte sich auch selbst als Künstler einen Namen. Vor allem als Bühnenbildner und Ausstatter hat er für die Theater von Halle und Leipzig eine Reihe von Inszenierungen vorbereitet. Auch als Architekt war Thiersch bedeutend. Entwürfe für den Schkeuditzer Flughafen stammen ebenso von ihm wie für die Giebichensteinbrücke.

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Chr. Thomasius


Christian Thomasius (1655-1728) gilt als geistiger Vater der Universität. Als einer der wichtigsten Vertreter der Aufklärung in Deutschland wirkte der aus Leipzig stammende und dort in Unfrieden geschiedene Gelehrte gleich von Anfang an als ein Zugpferd für die neue Alma mater in der Saalestadt. Eine Berufung zurück nach Leipzig lehnte der stolze Thomasius, der den kurzen Weg zwischen seiner Wohnung in der Großen Ulrichstraße und der Universität nie ohne Kutsche zurückgelegt haben soll, auf der Höhe seinen Ruhmes ab. Mit seinem Wirken legte er einen wichtigen Grundstein für die Durchsetzung religiöser Toleranz. Das Ende der Hexenprozesse gehört ebenso mit zu seinen Verdiensten wie die Humanisierung des Strafrechts.

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J. Unzner


Dass vor knapp 300 Jahren viele große Männer von Halle aus auf das Geistesleben in Europa wirkten, ist bekannt. Doch ebenso bemerkenswert ist, dass mit Johanne Charlotte Unzer (1725-1782) Deutschlands damals wichtigste philosophische Denkerin in unserer Stadt zu Hause war. Die geborene Ziegler schuf zum Beispiel einen "Grundriss einer Weltweisheit für das Frauenzimmer" und tat sich damit als erste Denkerin mit einem geschlossenen systematischen Werk hervor. Dass sie damit dann wohl noch nicht ganz ernst genommen wurde, zeigt eine Auszeichnung, die sie zur "Kayserlich gecrönten Dichterin" machte.

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R. von Volkmann


Wie nahe Kunst und Wissenschaft in einer Brust beieinander wohnen können, zeigte das Beispiel von Richard von Volkmann (1830-1889). Der bedeutende Chirurg, der sich um die antiseptische Wundbehandlung verdient gemacht hat und die "Volkmannsche Schiene" erfand, wurde in seiner Freizeit heftig von den Musen geküsst und machte sich als Poet der damals bekannten "Träumereien an französischen Kaminen" einen Namen. Den trennte er freilich von seinem seriösen Namen und nannte sich "Leander".

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G. Weidanz


Gustav Weidanz (1889-1976) machte sich seinen Namen nicht nur mit eigenen künstlerischen Leistungen. Der langjährige Professor an der Burg Giebichenstein gilt als Lehrer einer ganzen Generation von DDR-Bildhauern. In Hamburg geboren, gehörte der vielseitige Künstler als Keramiker und Lehrer auf diesem Gebiet und als Schöpfer von Medaillen und vielen herrlichen Marionetten zu Halles namhaftesten Kreativen. Noch heute zeugen die Figuren am Ratshof von Weidanz‘ Kunst.

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R. E. Weise


Er war ein Industrieller, der in der Stadt Halle zu den wichtigsten Gründern in der Gründerzeit gehörte. Der gebürtige Hollebener Rudolf Ernst Weise (1844-1935) baute Maschinenfabriken in der heute großflächig planierten südlichen Innenstadt. Doch der "Mafa"-Besitzer machte sich nicht nur als Wirtschaftskapitän und erfolgreicher Exporteur um Halle verdient. Auch in sozialer Hinsicht galt Weise wegen der Schaffung einer Pensionskasse und fabriknahem Wohnungsbau als ein beispielhafter Hallenser.

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L. Wucherer


Lange bevor in Deutschland die erste Dampflokomotive einen Zug von Nürnberg nach Fürth zog und bevor Friedrich List mit seinen Eisenbahnplänen für das zersplitterte Deutschland aus den Vereinigten Staaten nach Hause zurückkehrte, erkannte neben den bekannten Eisenbahnpionieren wie Motz, Baader, Harkot, Scharrer, Hansemann, Hentschel, Franke auch der hallesche Stadtrat und später erste Handelskammerpräsident Halles, Mathäus Ludwig Wucherer, die Bedeutung dieser technischen Neuerung. Mit seiner weltoffenen Einstellung und Interesse an der voranschreitenden Entwicklung, verfolgte Wucherer (1790-1861) schon lange die Fortschritte des Eisenbahnbaues in England und Amerika. Nach umfangreichen fachlichen Studien verfaßte er im Jahre 1829 eine "Denkschrift den Bau einer Eisenbahn Leipzig - Halle - Magdeburg betreffend". Ihr Inhalt war geprägt von der Praxisnähe Wucherers und verdeutlichte seine Interessen als Kaufmann, aber auch als Stadtrat einer Stadt, von der er glaubte, daß sie bei Ausbau von Handelsbeziehungen eine weit größere Bedeutung erlangen könnte, als dies der Fall war. Dem unermüdlichen Wirken Wucherers war es zu verdanken, daß am 18. August 1840 die erste Eisenbahn durch Halle fuhr. Sechs Jahre später wurde eine zweite Strecke in Betrieb genommen (Halle - Merseburg - Weißenfels). Damit war entschieden, daß sich in Halle ein Eisenbahnknoten und ein Zentrum der Wirtschaft entwickeln konnte.

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Georg Cantor


Die "Grundlage einer allgemeinen Mannigfaltigkeitslehre" war die ungeheure Entdeckung von Georg Cantor. Heute muss sie als Mengenlehre jedes Kind in der Schule lernen. Der im russischen St.Petersburg geborene Mathematiker dänischer Herkunft (1845-1918) war Professor an der halleschen Universität, wo er nichts weniger als die Grundlagen der modernen Mathematik schuf. Als weit über seine Zeit hinauseilend gelten auch Cantors Betrachtungen über das Unendliche. Sie riefen den Widerspruch zahlreicher Gelehrter der verschiedensten Gebiete hervor, gegen deren Ansichten sich Cantor durchzusetzen hatte. Heute heißt das Halle-Neustädter Gymnasium, in dem viele von Sachsen-Anhalts naturwissenschaftlich begabtesten Schülern lernen, nach ihm.

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