Kardinal Albrecht


Wohl keine Figur der Stadtgeschichte hat das Bild Halles stärker geprägt als Albrecht. Der Kardinal aus dem Hause Hohenzollern - geboren im Jahre 1490, gestorben 1545 - machte als Erzbischof von Magdeburg bald schon die Stadt Halle zu seiner Residenz und erwies ihr mit Blick auf die Konkurrenz der beiden Städte damit einen kaum schätzbaren Dienst. Der Kirchenfürst war zugleich weltlicher Herrscher über ein großes Stück von Deutschland. In der Reformationszeit galt er als der wichtigste und mächtigste Gegenspieler Luthers in Deutschland. In der Stadt Halle, aus der er am Ende unter Mitnahme vieler Kunstschätze nach Mainz floh, erinnern die Kardinal-Albrecht-Straße, aber auch viel großartige Architektur an Albrecht. Moritzburg, Dom, Marktkirche und Residenz wurden unter seiner Regie und dank seines gewaltigen Budgets gebaut, umgebaut oder vollendet. Der sinnenfrohe Renaissance-Fürst bewegt bisweilen noch heute die Gemüter. Denn auf dem Göbel-Brunnen am Hallmarkt ist er in zärtlicher Umarmung mit seiner Freundin verewigt. Die Szene machte über Deutschland hinaus von sich reden. Dem herrlichen Brunnen mit Halles Stadtgeschichte verhalf dies in ungewöhnlich kurzer Zeit zu verdientem Ruhm.

Vielen Dank für die Korrektur an Andreas Bockisch aus Halle.

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W. F. Bach


Im Unfrieden schied Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784) aus der Saalestadt. Der älteste und Lieblingssohn von Johann Sebastian Bach war Kantor an der Marktkirche. Er galt als brillanter Virtuose und komponierte Werke im empfindsamen Stil der Sturm- und Drang-Zeit. In Halle verzichtete er zugunsten der Kompositionstätigkeit schließlich auf eine feste Anstellung und schlug sich lieber als Klavierlehrer durchs Leben. Er starb verarmt in Berlin.

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Eichendorff


Ein besonders wertvolles Geschenk hat ein Hallenser auf Zeit seiner vorübergehenden Heimatstadt bereitet. Als Jura-Student hat der spätere "Vollender der romantischen Dichtung" Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857) Halle eine Hymne geschenkt: Das Giebichenstein-Lied "Da steht eine Burg überm Thale ...". Dabei hatte es der Dichter, dem mit "Aus dem Leben eines Taugenichts" ein Stück Nationalliteratur gelungen ist, in Halle auch mit weniger romantischen Taugenichtsen zu tun und musste erleben, wie 1805 das Militär nach einer Hungerrevolte auf "Kinder, Mädchen, Weiber und weniger straffällige Mitschuldige" eindrosch.

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C. von Einbeck


Mehr noch als die Burg an der Saale sorgten und sorgen die steinernen Zeugnisse des ausgehenden Mittelalters für die Ausstrahlung Halles. Von denen, die sie schufen, ist freilich meist wenig bekannt. Name und Angesicht sind von Conrad von Einbeck überliefert. Der Baumeister der Moritzkirche hat in dem spätgotischen Sakral-Bau bedeutende Skulpturen hinterlassen. Mit der Jahreszahl 1411 ist hier der heilige Moritz signiert. Seither steht die Figur des kämpferischen Heiligen und Märtyrers für Halle wie sonst kaum ein Kunstwerk.

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D. Erxleben


Frauen, die ihrer Zeit voraus waren, gab es in Halle eine ganze Reihe. Eine besondere Pionierleistung gelang Dorothea Erxleben (1715-1762). Die Tochter eines Quedlinburger Arztes promovierte vor fast 260 Jahren an der halleschen Universität als erste deutsche Frau. Nachdem sie sich bei ihrem Vater akademische Kenntnisse der Medizin angeeignet und das ärztlich Handwerk erlernt hatte, praktizierte sie jahrelang unter der Lizenz des Vaters. Nach dessen Tod erstritt sie sich das Recht, an den Prüfungen für das Medizin-Examen teilnehmen zu dürfen. Sie bestand mit Bravour und legte - ein Jahr nach der Geburt ihres vierten Kindes - auch noch ihre Doktorarbeit vor. Gemeinsam mit vier Pflegekindern zog sie neun Kinder groß und erbrachte damit eindrucksvoll den Beweis, wie gut Beruf und Mutter-Pflichten vereinbar sind.

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L. Feininger


Dass Halle als ein Ort mit großartiger Architektur auch weit über Deutschland hinaus bekannt ist, dürfte besonders einem Amerikaner zu verdanken sein. Lyonel Feininger, in New York geborener Sohn deutscher Einwanderer (1871-1956), kam als 17-Jähriger nach Deutschland, wo er sich zunächst als Karikaturist durchschlug und später der Künstler-Gruppe "Blauer Reiter" angehörte. Als Lehrer am Bauhaus in Weimar und später in Dessau malte Feininger auch oft in Halle. Weltberühmt ist sein Halle-Zyklus mit Bildern vom Dom und der Marktkirche, zu dem auch zauberhafte Darstellungen schlichter Straßen gehören:
Marienkirche I, 1929
im Besitz: Städtische Kunsthalle
Mannheim
Am Trödel, 1929
im Besitz: Bauhaus-Archiv, Berlin
Marktkirche von Halle, 1930
im Besitz: Bayerische Staats-
Gemäldesammlung, München
(Abbildung Briefmarke rechts)
Die Marktkirche von Osten, 1930
Staatliche Galerie Moritzburg Halle
(Abbildung 2)
Roter Turm I, 1930
Kriegsverlust
(Abbildung 3)
Roter Turm II, 1930
im Besitz: Städtisches Museum
Mülheim/Ruhr
Der Dom in Halle, 1931
seit 1997 im Besitz der Stadt Halle
Staatliche Galerie Moritzburg Halle
(Abbildung 4)
Der Ostchor des Domes in Halle, 1931
im Besitz: Hamburger Kunsthalle
Marktkirche bei Nacht, 1931
im Besitz: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
Bölbergasse, 1931
Kriegsverlust
(Abbildung 5)
Die Türme über der Stadt, 1931
im Besitz: Museum Ludwig, Köln

"Marktkirche von Halle" geht in alle Welt

Nach jahrelangen Bemühungen ist es dem Sammler Prof. Hermann Gerlinger gelungen, Feiningers Gemälde auf einer Briefmarke zu verewigen. Die Marke erschien Ende 2002 in der DP-Serie "Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts".

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Robert Franz


Ein echter Hallenser, der fast durchgehend in der Stadt wirkte und auch starb, war Robert Franz (1815-1892). Er galt hier als der wichtigste Komponist seiner Zeit. Nach kurzer Lehre beim Dessauer Hofkapellmeister Schneider wurde er Organist an der Ulrichskirche und gründete die Hallesche Singakademie, die folgerichtig später nach ihm benannt wurde und bis heute besteht. 1859 wurde er Universitätsmusik-Direktor. Er setzte sich vehement für die Musik Bachs und Händels ein, die er im Geiste der Zeit bearbeitete. An eigenen Werken hat Franz vor allem Klavier- und Chorlieder komponiert.

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A. H. Francke


Mit einer großartigen Komposition kann man durchaus das Lebenswerk von August Hermann Francke (1663-1727) vergleichen. Viele Stimmen, die in seiner Zeit nach einem geistigen, pädagogischen und sozialen Aufbruch verlangten, nahm der Glauchaer Pfarrer und Universitäts-Professor in sich auf und ließ sie schon bald im Projekt seiner Stiftungen zusammenklingen. Was der fromme Pietist Francke zum Lob Gottes leistete, geriet freilich unweigerlich auch zum Ruhm seiner Stadt Halle. Mit einem Waisenhaus als Keimzelle baute Francke ein beispielloses Netzwerk aus Aktivitäten von Nächstenliebe, Erziehung, Wissenschaft und Religiosität auf, das zeitweise nach halb Europa und in weit entfernte Gegenden der Welt ausstrahlte.

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H.-D. Genscher


Buchstäblich die ganze Welt war 18 Jahre lang der Arbeitsplatz von Hans-Dietrich Genscher (geboren 1927). Nach dem Besuch des heutigen Herder-Gymnasiums und dem Jura-Studium arbeitete der Reideburger als Gerichtsreferendar am Oberlandesgericht des Bezirks Halle. Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik im Jahre 1952 gelang ihm in der FDP eine schnelle Karriere. 1969 wurde er Bundesinnenminister und fünf Jahre später bis zu seinem Rücktritt 1992 Außenminister. Bei der Bewerkstelligung der deutschen Einheit wird Genscher eine zentrale Rolle bescheinigt. Seit seinem Abschied von der großen Politik engagiert sich Hans-Dietrich Genscher weiterhin in vielerlei Hinsicht für seine Heimat, die er auch regelmäßig besucht.

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G. F. Händel


Keine Rückkehr war dem wohl größten Sohn der Stadt beschieden. Georg Friedrich Händel (1685-1759) verließ die Stadt in jungen Jahren. Das Kapitel Halle und Händel wurde zum Großteil erst geschrieben, als der Meister längst tot war. Denn der Sohn eines Artzes wurde hier zwar geboren, lernte beim Kantor Zachow und leistete brav seinen Orgeldienst im Dom. Doch dann zog es ihn mit 18 Jahren nach Hamburg und später über Hannover und Italien nach England. In Halle würdigte man den Komponisten ab dem 19. Jahrhundert gebührend, errichtete für den Schöpfer des "Messias" 1859 das Denkmal auf dem Markt und leitete in den 20-er Jahren die Renaissance der Händel-Opern ein. Die Händel-Festspiele sind heute Halles wichtigstes Kulturereignis.

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R. Heydrich


Ein Verbrecher, mit dessen Namen sich zweifellos die tiefste Schande der halleschen Stadtgeschichte verbindet: Reinhard Heydrich. Als Leiter von Hitlers "Reichssicherheitshauptamt" war er mit der Organisation des vielleicht größten Verbrechens der Weltgeschichte, der systematischen Juden-Vernichtung, beauftragt. Sechs Millionen Menschen wurden dabei ermordet. Als Reichsprotektor von Böhmen und Mähren wurde er 1942 bei einem Attentat getötet. Die SS rächte sich dafür mit dem Massaker von Lidice. Heydrich wurde hier im Jahre 1904 geboren.

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F. Hoffmann


Große Kunstwerke werden - wie man weiß - noch nach Jahrhunderten dankbar genossen. Dagegen sind wissenschaftliche Geniestreiche oft schon nach kurzer Zeit ein Fall für den Archivar. Ein rares Gegenbeispiel ist der hallesche Arzt Friedrich Hoffmann (1660 bis 1742) mit seiner Erfindung. Die nach ihm benannten Hoffmannstropfen gibt es noch heute in der Apotheke. Das Gemisch aus Alkohol und einem Viertel Äther soll gegen Magenbeschwerden helfen. Hoffmann, der die medizinische Fakultät der Universität gründete, wurde mit Ehrentiteln wie "Zweiter Hypokrates" überhäuft und zählte Kaiser und Könige zu seinen Patienten. Der Mitbegründer des Kurbades Lauchstädt ist - wenn auch leider etwas versteckt - auf Halles idyllischem Stadtgottesacker beigesetzt. 2006 wurde eine Straße zwischen Philipp-Müller-Straße und Franckestraße nach ihm benannt, die Prof.-Friedrich-Hoffmann-Straße.

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N. Hoffmann


Dass Halles Stadtgottesacker zu den schönsten und bekanntesten Friedhöfen weit und breit gehört, ist einem Mann zu verdanken. Nickel Hoffmann, der 1550 das Bürgerrecht von Halle erlangte, hat als Baumeister der Grabbogen­Anlage ein unvergleichliches Stück Renaissance im Herzen der Stadt hinterlassen. Vorbild der Bögen sind übrigens jene in der Marktkirche, die der Baumeister und Steinmetz in dem Gotteshaus einzog, bevor er den Auftrag für den Friedhof auf dem Martinsberg bekam.

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F.-L. Jahn


Ärger mit der Schule hatte ein Mann, dessen Wirken später einen großen Einfluss auf die Erziehungs-Ideale haben sollte. Friedrich-Ludwig Jahn (1778-1852) kam ohne Reife-Zeugnis an die Universität Halle, wo der spätere "Turnvater" Theologie, Geschichte und Philologie studierte. Wegen Auseinandersetzungen mit studentischen Landsmannschaften verließ er 1800 die Stadt. Die von ihm propagierte Körper-Ertüchtigung sah Jahn vor allem unter dem Gesichtspunkt des Trainings zum Befreiungskrieg gegen die Franzosen. Später geriet der deutsch-tümelnde Burschenschaftler aber auch mit der preußischen Staatsmacht hart aneinander. Er starb unweit von Halle in Freyburg.

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Justus Jonas


Ein großer Konflikt hat Justus Jonas (1493-1555) berühmt gemacht. Der als Jodokus Koch im thüringischen Eisfeld geborene Reformator galt als einer der engsten Mitarbeiter Luthers und sein Statthalter in Halle, wo er einen schweren Stand hatte. Drei Mal kam er in die Stadt, zwei Mal wurde er wieder davon gejagt. Ein Mordversuch auf ihn scheiterte knapp. Am Ende wurde er - als sozusagen erster evangelischer Superintendent - in der Stadt geduldet, jedoch mit Redeverbot belegt. Und merkwürdig still ist es um ihn meist auch heute noch. Denn Halle hat seinen Justus Jonas so gut wie vergessen.

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Arnold Ruge


Leben und Werk des demokratischen Politikers, Philosophen und Schriftstellers Arnold Ruge (1802-1880) sind auf das engste mit Halle verbunden, wenn er auch schon Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts ins Exil gehen musste. Der streitbare Gelehrte stammte aus Bergen auf Rügen, wo er am 13. September 1802 als Sohn eines Guts-Verwalters geboren wurde. Nach einer unerfreulichen Schulzeit ließ er sich im Frühsommer 1821 an der halleschen Universität als Student der Theologie immatrikulieren. Doch bald wendet Ruge sich der Philosophie zu und findet Kontakt zur fortschrittlichen Burschenschafts-Bewegung. Wegen Teilnahme an "hochverräterischen Verschwörungen" verurteilte ihn ein Gericht zu insgesamt 14 Jahren Festung, von denen er sechs in Köpenick und Kolberg verbüßte. Das Revolutionsjahr 1830 brachte ihm zwar die Freiheit, doch blieb ihm eine berufliche Karriere zunächst versagt. Ruge musste ab Ostern 1831 als Lehrer an den Franckeschen Stiftungen seinen Unterhalt verdienen. Trotz mancher Schwierigkeiten, setzte Ruge 1832 seine Habilitation als Privatdozent für historische Philologie und ältere Philosophie durch und las mit Erfolg gut besuchte Kollegs. In dieser Epoche beschäftigte sich der junge Gelehrte intensiv mit der Philosophie Hegels, zu deren links-radikalen Interpreten er bald zu zählen ist. Obwohl 1837 sein bedeutendes Werk "Neue Vorschule der Ästhetik" erschien, erhält er keine Professur.

Ruge bereitet sich jedoch auf neue Kämpfe vor und gründet die berühmten "Halleschen Jahrbücher", deren erstes Heft mit Beiträgen von Ludwig Feuerbach, D. F. Strauss und Ruge Ende 1837 erscheint. Das kritische Organ entwickelt sich zum Zentrum der politischen Opposition und wird bald mit allen Mitteln bekämpft. Ruge, der in Halle auch als Stadt-Verordneter wirkt, muss 1841 die Saale-Stadt verlassen, da Preußen seine Jahrbücher verbietet.

Paris ist die nächste wichtige Station. Hier gibt er 1844 mit Karl Marx die "Deutsch-französischen Jahrbücher" heraus. Er beteiligt sich aktiv an der Revolution 1848 und verlässt nach ihrem Scheitern endgültig Deutschland. Ruge stirbt am 31. Dezember 1880 im englischen Brighton.



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Carl Loewe


Komponist, Sänger und Virtuose in einer Person, außerdem von "deutschem Geist und deutschem Gemüth" - so urteilte Robert Schumann über Carl Loewe, der viele - aber bei weitem nicht nur - Balladen und Lieder komponierte. 1796 wurde Loewe in Löbejün als zwölftes Kind eines Kantors geboren. 1809 ließ ihn sein Vater in Halle Musik bei Türk und Reichardt studieren. Bald zog ihn ein Stipendium des westfälischen Königs weg von der Saale. Doch schon 1814 war Loewe wieder da: Als Kantor an der Marktkirche und als Privatlehrer. 1817 nahm er ein Theologie-studium auf, sang im Marxschen Quartettzirkel und auch als Solist bei Konzerten der Singakademie. Loewes große Zeit aber kam, nachdem er 1820 nach Stettin gegangen war. Er starb 1869 in Kiel.

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Graf Luckner


Nicht nur zur See sondern auch übers Meer zog es einen bekannten Hallenser. Der in Dresden geborene Felix Graf Luckner (1881-1966) wuchs in der Saalestadt (Universitätsring 5) auf, ehe er als kaisertreuer Pirat im Ersten Weltkrieg von sich reden machte. Diese Rolle seines Lebens hat er dann in seinen "Seeteufel"-Geschichten beschrieben und wohl auch mit allerhand Seemanns-Garn angereichert. Eine Großtat von ihm ist unbestritten. 1945 war Luckner mit Professor Theodor Lieser und anderen an den Verhandlungen mit den Amerikanern beteiligt, wodurch Halle vor der Zerstörung bewahrt wurde.

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C. Käsebier


Mit Ergänzungen von Manfred Hufenreuter
(Kontakt: C.A.Kaesebier@gmx.net) - Vielen Dank.


Ein gebürtiger Hallenser ist manchem nur als literarische Figur und Filmheld (gespielt von Manfred Krug) bekannt: Christian Andreas Käsebier. Am 23. 09. 1712 wurde der Sohn eines Schneiders in Halle geboren. Eine Schneider-Karriere machte er freilich nur im übertragenen Sinne: als Beutelschneider. Sein Vaterhaus steht noch, in der heutigen Mittelstraße 17. Noch in Halle nagelte er einem Bauern am Großen Berlin den Mantel an, bevor er mit dessen Geld floh. So sagt es die Legende. Zu Beginn der 40er Jahre war er jedenfalls bereits der bekannteste Dieb in deutschen Landen. Er wurde gesucht in Preußen und Sachsen, Österreich und Böhmen. Er überstand auch eine Folter, ohne auszusagen. In Prag stand er am Pranger. Ein preußisches Polizeihandbuch vom Ende des 18. Jahrhunderts vergleicht ihn mit Cartouche in Frankreich und Jonathan Wild in England. Als er 1748 gefasst und zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, stellte sich heraus, dass er entgegen allen Schauermärchen niemals Gewalt, sondern nur List und den Dietrich genutzt hatte, um an Geld zu kommen. Er galt als intelligent und charmant. Als Friedrich II. Prag nicht einnehmen konnte, holte er Käsebier als Spion dorthin. Er verschwindet dort und gilt als verschollen. Egon Erwin Kisch machte ihn zum Überläufer und Doppelagenten, worauf auch der DEFA-Film zurückgeht. Ein in seiner Zunft seltenes Kunststück brachte der Räuber fertig: Er starb - wo und wann ist unbekannt - als freier und wohl auch reicher Mann. (Auch diese Angabe ist umstritten.)

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P. F. Meckel


Als Geburtshelfer war er der russischen Zarin zu Diensten, und sein Haus am Großen Berlin beherbergte, freilich erst drei Jahre nach seinem Tode, Napoleon. Doch dies ist nicht der eigentliche Ruhm von Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803). Denn der hallesche Arzt begründete eine Skelett- und Präparate-Sammlung von Weltruf. Das Meckelsche Kabinett, das sein Sohn Johann Friedrich später beträchtlich ausbaute, ist noch heute bei öffentlichen Besichtigungen ein Anziehungspunkt für interessierte Laien. Tausende Präparate trugen Meckel und sein Sohn zusammen. Und der leidenschaftliche Sammler im Dienste der Wissenschaft machte auch vor seinem eigenen Körper nicht Halt. Sein Skelett, das er zu Lebzeiten der Sammlung zugedacht hatte, ist noch heute im Anatomischen Institut in der Großen Steinstraße zu sehen. (mehr dazu ...)

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