Stadtgeschichte 
 

 


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Wir wohnen schon seit Urzeiten hier. Der Anfang
Endlich hat sich mal jemand Notizen gemacht. Das Jahr 806
Eine stolze Burg überm Tale. Das 10. Jh.
Das Salz bringt uns eine neue Blütezeit. Das 11. Jh.
Die Stadt nimmt langsam Gestalt an. Das 12. Jh.
Ein starker Partner - Hansestadt Halle. Das 13. Jh.
Wenn zwei sich streiten ... 14./15. Jh.
Schlechte Zeiten für den Bischof. Das 16. Jh.
Von Not und Pest zur Stadt des Wissens. Das 17. Jh.
Hort des Hungers und Herberge der Romantik. Das 18. Jh.
Napoleon und die Patrioten. 19. Jh. (1. H.)
Kapital und Arbeit. 19. Jh. (2. H.)
Das rote Halle und der braune Sumpf. 20. Jh. (1. H.)
Halle - die erste Hauptstadt Sachsen-Anhalts. 20. Jh. (2. H.)






 Wir wohnen schon seit Urzeiten hier

Die Stadt Halle liegt am Rande der Norddeutschen Tiefebene in einem weit ausgedehnten Gelände östlich der Saale, das seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Reiche Sole-Quellen - entstanden als Folge der Halle-Störung - dienten der Salz-Gewinnung, die in der jüngeren Bronzezeit, vom 13. Jh. v. Chr. an, später noch einmal in der frühen Eisenzeit (7. Jh. v. Chr.) intensiv betrieben wurde. Um 400 v. Chr. ging diese als "Hallesche Kultur" bezeichnete Epoche zu Ende. Für die folgenden Jahrhunderte fehlen jedenfalls Funde für eine Siede-Tätigkeit. Nach dem Verfall des Thüringer Reiches, das 531 von den Franken besiegt wurde, drangen in unseren Raum slawische Stämme ein, die ebenfalls begannen, die reichen Sole-Vorkommen zu nutzen.

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 Endlich hat sich mal jemand Notizen gemacht

Zur Entwicklung des StadtbildesIm Jahre 806 stieß ein fränkisches Heer unter König Karl, Sohn Karls des Großen, in den Raum zwischen Elbe und Saale vor und legte hier nach Berichten von "Einhards Annalen" und der Chronik des Klosters Moissae zwei Kastelle an. Die reichs-geschichtlich wichtigen Notizen nennen bei dieser Gelegenheit sogar den Ortsnamen "Halle", denn die Grenzfeste lag "... in orientalem partem Sala, ad locum, qui vocatur Halla", also am östlichen Ufer der Saale, bei dem Ort, der Halle genannt wird. Zweifellos diente das befestigte Kastell als Stützpunkt in den Kämpfen des fränkischen Heeres gegen die Slawen und schützte zugleich die überaus wichtigen Sole-Quellen in diesem Siedlungs-Bereich. Die karolingische Grenz-Siedlung erlitt im frühen 10. Jahrhundert die Ungarn-Einfälle, denen wahrscheinlich das Kastell selbst zum Opfer fiel.

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 Eine stolze Burg überm Tale

Es war die Zeit, in der König Heinrich I. den Giebichenstein nördlich von Halle ausbauen ließ und ihn seinem weit gestaffelten Grenzburg-System eingliederte. Die Reichs-Burg erlangte dadurch eine Vorrang-Stellung im großräumigen Siedlungs-Gebiet längs der Saale und zog auch die südlich gelegene Siedlung Halle in ihren Gemein-Bereich. Die Mark Giebichenstein mit ihrer Burg und Siedlung sowie das eigentliche Halle mit seiner Salzbereitungs-Stätte, südlich davon gelegen, sind nun ein Ganzes. Im Jahre 961 trat ein für die mittel-alterliche Geschichte Halles folgenreiches Ereignis ein. König Otto I. vollzog am 29. Juli 961 eine Urkunde, in der er dem Kloster St. Moritz "den ganzen Gau Neletice mit allen seinen Nutzungen, den Burgort Giebiechenstein mit seiner Salzquelle sowie andere Burgorte mit allem ihren Zubehör, salzigen und süßen Gewässern, bebauten und nicht bebauten Fluren, deutschen und slawischen Hörigen ..." übereignete. Ziel dieser Schenkung war, den deutschen Feudal-Staat an seiner Ostgrenze weiter auszubauen und die Christianisierung im Saale-Elbe-Raum durchzusetzen. Gegen vielfachen Widerstand erreichte Otto I. schließlich im Jahre 968 die Anerkennung seines Planes, ein Erzbistum zu gründen, dem nun die reichen Schenkungen zugute kamen.

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 Das Salz bringt uns eine neue Blütezeit

Im Laufe der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verlagerten sich die wirtschaftlichen Funktionen, das Markt-, Münz-, Zoll- und Bann-Privileg, nach dem Ort Halle, der bei der Saline (dem Tal) aufzublühen begann. Ursache dafür, dass Halle sich zur Stadt-Gemeinde entwickelte, waren die Sole-Quellen, deren mächtige Ergiebigkeit das Entstehen eines mittel-alterlichen Groß-Betriebes begünstigte. Hier ließen sich die wichtigsten Beamten der Erzbischöfe, wie der Burggraf, der Salzgraf (gleichzeitig Münzmeister) und der Schultheiß nieder und übten ihre Funktionen als Vertreter des geistlichen Oberhirten aus.

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 Die Stadt nimmt langsam Gestalt an

Zur Entwicklung des StadtbildesDer bedeutende Burggraf Wiprecht von Groitzsch († 1124) setzte im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts schließlich den Plan einer großartigen Stadt-Erweiterung durch. Mit Hilfe der hallesehen Bürgerschaft entstand zum Schutze der Stadt ein Mauer-Ring, der den Siedlungs-Raum Halles um das Fünffache vergrößerte und dessen städtebaulicher Mittelpunkt der neue große Marktplatz wurde. An den besonders gefährdeten Stellen erhielt es einen dreifachen Mauer-Ring und besaß annähernd 40 Wehr-Türme und Schalen. Dieses Befestigungs-Werk wurde im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, als es die beginnende Großstadt-Entwicklung zu stark behinderte, zum größten Teil abgetragen. Der Leipziger Turm und verschiedene Stadtmauer-Reste an der Goetheschule, Moritzburg, Mühlpforte, sowie Reste alter Wälle erinnern noch heute an den Verlauf des halleschen Wehr-Systems. Deutlich werden die Ausmaße der Altstadt bei einem Spaziergang entlang der Ringstraße: Hansering - Waisenhausring - Moritzzwinger - Hallorenring - Robert-Franz-Ring - Moritzbürgring - Universitätsring, die um die Altstadt einen Grün-Gürtel zieht. Schon 1128 berichteten die Chroniken vom lebhaften Handel und beträchtlichen Waren-Umschlag auf dem Markt in Halle. Eine weitere ökonomische Stärkung erreichten die halleschen Bürger schließlich durch Belehnungen mit Sole-Ausläuften und Siede-Hütten (Kote) der Saline, die bis dahin ein ausschließlich zentral vom erzbischöflichen Grundherrn betriebenes Werk war. Am Ende des 12. Jahrhunderts bildeten sich dann auch die Innungen aus, nämlich die der Krämer, Bäcker, Fleischer, Schmiede, Schuster und Futterer. Eine inner-städtische Struktur zeichnete sich in den vier Pfarrbezirken, St. Gertrauden (1121), St. Marien, St. Moritz und St. Ulrich, als den Keim-Zellen der Stadt-Viertel ab, die auch bald nach gemeindlicher Selbst-Verwaltung drängten.

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 Ein starker Partner - Hansestadt Halle

1258 nannte schließlich eine Urkunde zum ersten Male den halleschen Rat, der allerdings erst 1310 vom Erzbischof, als dem Sradtherren, anerkannt wurde. Der Rat gab der Gemeinde sechs Jahre später eine Willkür (Verfassung), die die jährliche Ratswahl festlegte. Aber schon 1263 war Halle ökonomisch und politisch so erstarkt, dass es einen Vertrag erzwang, der die Stadt-Werdung endgültig manifestierte. Erzbischof Ruprecht verzichtete in der Urkunde vom 30. Juli 1263 gegenüber Halle, weitere Sol-Brunnen innerhalb des Stadt-Gebietes einfassen zu lassen. Ebenso will er in Zukunft die Bann-Meile um Halle achten und keine Burgen bauen, die die Sicherheit der Stadt bedrohen könnten. Abgeschirmt wurde diese errungene Position Halles, indem der Rat um 1280 der Hanse beitrat. Die Stadt Halle zählte damals 4000 Einwohner und stand am Beginn ihrer mittel-alterlichen glanzvollen Entwicklung, die sie allerdings in zunehmendem Maße in Gegensatz zur erzbischöflichen Feudal-Gewalt brachte. Das Salzwerk auf der "Halle" stellte in diesem Prozess die wirtschaftliche Grundlage des Reichtums der Patrizier-Schicht dar und ermöglichte es den Angehörigen dieser Geschlechter, unumschränkt im Rat die Macht auszuüben. Sinnfällig drücken sich diese Verhältnisse im Wahrzeichen von Halle aus, das den Esel, der auf Rosen geht darstellt; ein Chronist fügte später den erklärenden Spruch hinzu »Die Arbeit und den Nutz, darin zu Hall besteht - Das Saltzwerck, zeiget an der hier auf rosen geht«.

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 Wenn zwei sich streiten ...

Zur Entwicklung des StadtbildesIm 14. und 15. Jahrhundert kämpfte die Stadt Halle um die politische Autonomie, um die Los-Lösung aus dem Territorium des Erzbistums. Es fehlte in diesem Prozess nicht an offenen militärischen Auseinandersetzungen, so die Fehde zwischen Erzbischof Burchard und der Stadt Halle in den Jahren 1324/25. Der Rat versuchte darüber hinaus, den Umkreis der Stadt unter seinen Einfluss zu bringen, was ihm nicht überall mit andauerndem Erfolg gelang. Der Giebichenstein und die Burg Ammendorf sowie die Vorstädte Neumarkt und Glaucha gehörten nur kurze Zeit zu Halle, während der Strohhof 1323 durch Kauf zum Stadtgebiet kam. Die Unabhängigkeits-Bestrebungen der Stadt manifestierten sich schließlich vor allem in der Befreiung von der erzbischöflichen Gerichts-Hoheit, denn schon 1335 errang der Rat die Zusage, dass das hallesche Gericht für das gesamte Stadt-Gebiet allein zuständig sei. Die Macht des halleschen Rates fand ihren sichtbaren Ausdruck in dem Neubau des halleschen Rathauses, der bald nach dem großen Stadtbrand von 1312 auf dem Marktplatz begonnen wurde. Es war ein gotischer Fachwerkbau, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts verschwand. Das neu errichtete Gebäude, später durch den Baumeister Nickel Hofmann wesentlich umgestaltet, zierte den Marktplatz bis zum Jahre 1945, wo es in den Märztagen einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Die reiche mittel-alterliche Handels-Stadt vollbrachte aber auch auf anderen Gebieten große Gemeinschafts-Leistungen. So errichtete man 1341 in der Nähe des Klaus-Tores an der Saale das Hospital St. Cyriaci, dessen Verwaltung in Händen der Stadt lag und das alle Kranken und elenden Leute aufnehmen und betreuen sollte. Innerhalb des Mauer-Rings entstanden schließlich eine Reihe von Kloster-Bauten und Kirchen, die ebenfalls Zeugnis der Entwicklung Halles zu einer bedeutenden Stadt ablegen. Selbstbewusste Stadt-Kultur verkörpert der Rote Turm auf dem Markt, ein frei stehender Glocken-Turm, dessen Bauzeit von 1418 bis 1506 reichte. Der patrizische Rat und die Pfännerschaft, aus deren Mitte er sich rekrutierte, sahen sich seit dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts einer ständig wachsenden inner-städtischen Opposition gegenüber, die nach einer Vertretung im Rat verlangte und sie auch durchsetzte. Der soziale Umschichtungs-Prozess und die daraus resultierende Verschiebung der Macht-Verhältnisse im Rat fanden 1478/1479 einen tragischen Abschluss. Im offenen Aufstand besiegten die "Popularen" gemeinsam mit Handwerkern und dem Hall-Volk die alte Rats-Aristokratie, konnten jedoch nicht verhindern, dass der regierende Erzbischof sich diese tiefgreifenden Meinungs-Verschiedenheiten zunutze machte. Er missbrauchte ein Hilfs-Ersuchen der Bürgerschaft und ließ die Stadt besetzen. Der Einmarsch erzbischöflicher Truppen durch das Ulrichs-Tor beendete Halles Streben nach unmittelbarer Reichs-Freiheit und ließ es erneut in fürstliche Abhängigkeit zurück sinken. Die neue Rats-Willkür, die Erzbischof Ernst der Stadt im Jahre 1482 aufzwang, ist ein getreues Spiegelbild dieser Situation. Die Bürgerschaft selbst musste empfindliche materielle Verluste hinnehmen, da der Stadt-Herr große Mengen Sol-Güter einzog und für sich in Anspruch nahm.

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 Schlechte Zeiten für den Bischof

MoritzburgSchließlich entstand am nordwestlichen Rand der Stadt die Zwing-Feste St. Moritz als Residenz der Erzbischöfe. Der Grundstein für diese großartige Anlage wurde im Mai 1484 gelegt, und nach genau 19 Jahren Bauzeit konnten im Frühjahr 1503 die ersten Räume bezogen werden. Von hier aus beherrschte Erzbischof Ernst unnachsichtig die Stadt, deren Bewohner nur widerwillig den Krummstab anerkannten. Ernst starb am 3. August 1513 auf der Moritzburg. Zum Nachfolger wählte das Domkapitel kurz darauf den Markgrafen Albrecht von Brandenburg (1490-1545), einen Sohn des Kurfürsten Johann Cicero. Der neue Erzbischof vereinigte bald eine ungewöhnliche Macht in seinen Händen, da er im gleichen Jahr noch Administrator des Stiftes Halberstadt und 1514 schließlich Erzbischof von Mainz wurde und damit an die Spitze des ersten Kurfürstentums des Deutschen Reiches gelangte. Albrecht erwählte Halle zu seiner Lieblings-Residenz, die er als Kunst liebender Renaissance-Fürst auch grundlegend umgestalten wollte. Diese Absichten ließen sich jedoch nur zögernd verwirklichen. Schon wenige Jahre später wühlten die Ereignisse der Reformation und der Bauernktiege die Stadt auf. Die Einwohner schlugen sich in zunehmendem Maße auf die evangelische Seite. Im Jahre 1541 verließ Erzbischof Kardinal Albrecht für immer seine Residenz-Stadt, die nun offiziell die Reformation einführte. In künstlerischer Hinsicht übernahmen Architekten des Bürgertums den städte-baulichen Gestaltungs-Willen Albrechts. Vor allem Nickel Hofmann, der seit 1550 in Halle als Baumeister wirkte, verdankt die Stadt Werke echten Renaissance-Geistes. Die umfassende Bau-Tätigkeit fällt schon in die Zeit nach dem Schmalkaldischen Krieg, der Halle in bedrohlicher Weise heimsuchte. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 sicherte immerhin dem protestantischen Norden Deutschlands den Fort-Bestand der Reformation. Wichtigstes Ergebnis für Halle war wohl die Gründung eines Gymnasiums im alten Barfüßer-Kloster, das 1565 feierlich eröffnet wurde. Wenig mehr als ein halbes Jahrhundert des Friedens folgte für die Saale-Stadt, das aber durch viele Probleme, insbesondere das einer großen kommunalen Schulden-Last, überschattet wurde.

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© Halle (Saale) - Stadtgeschichte - nach: Dr. Werner Piechocki "Stadtführer Halle (Saale)", Kapitel 1, Zur Geschichte von Halle (Saale), Halle 1985.
Der Autor war von 1951 bis 1994 Leiter des Halleschen Stadtarchivs.